Aufrecht im Regen


Nachdem wir gestern vom Mohrenwirt zurück gekommen sind und eine wirklich ganz angenehme Fahrt hatten, ist der Zeugwart heute direkt wieder arbeiten und ich führe den Urlaub einfach fort. Weil mein Auto in der Werkstatt steht, nutze ich meine neu gewonnenen Technikkenntnisse, die mir Gerald im Camp beigebracht hat, und laufe zur Werkstatt. Die ist nicht weit weg, knappe 3km, je nach Weg, und daher eine perfekte Distanz, um das neu erlernte umzusetzen.

Geralds Hinweise, mich nicht zu überfordern, sondern eins nach dem anderen in den täglichen Trainingsalltag zu übernehmen und es mir zu eigenen zu machen, habe ich im Hinterkopf, als ich voller Enthusiasmus auf die nasskalte Straße hinaustrete und es sofort zu regnen beginnt. Als hätte sich das Wetter an die bereits seit Jahren bestehende Regel erinnert, dass es immer dann regnet, wenn ich laufen gehe. Es schüttet also, als ich die Uhr starte und ich bin einmal mehr froh, dass mir meine Eltern vor Jahren diese Regenjacke geschenkt haben, die perfekt sitzt und nach wie vor extrem dicht ist.

Der Weg bis zum Wald ist bereits so von Pfützen gespickt, dass ich mir ernsthaft überlege auf GoreTex Winterlaufschuhe umzusteigen. Bislang laufe ich einfach die Trailversion von meinem üblichen Laufschuh, den der Hersteller, warum auch immer, allerdings in meiner Farbvariante (die es im Angebot gab) nicht mit dem wasserdichten Material ausgestattet hat. Jetzt erklärt sich vielleicht auch der Schnäppchenpreis im Angebot? Trailschuhe ohne GoreTex sind also tatsächlich nicht wirklich klug. Zumindest für meine Welt würde eine Wasserdichtigkeit eine prima Ergänzung abgeben und keinesfalls einen Fehler oder blöden Schnickschnack, den keiner braucht.

Mit feuchten Füßen jogge ich also in den Wald hinein und bin froh, über den Gripp, den mir die Sohle gibt. So ganz verkehrt ist dieser Trailschuh also nicht. Erfreulicherweise. Es ist eben nur unangenehm, wenn die Füße schon beim ersten Spritzer nass sind. Und unnötig ist es auch, wo es ja wasserdichte Materialien gibt.  Dank Geralds Tipps walke ich mich etwas ein. Mache, trotz des Regengusses von oben, ein paar Übungen zum warm werden und beginne dann zu joggen. Aufrecht. Und ich erinnere mich stets weiter daran aufrecht zu bleiben. Das ist nicht leicht und macht den Lauf richtig anstrengend.

Ich bin extrem langsam unterwegs. Wahrscheinlich walke ich schneller, als dass ich heute laufe? Nein, ganz so schlimm ist es nicht. Ich bin tatsächlich deutlich flotter unterwegs, als wenn ich walken gehe. Aber es fühlt sich langsam und mühevoll an. Aber ich bin aufrecht. Nach einiger Zeit merke ich, dass ich mich nicht mehr richtig hochziehen kann. Ich sacke zusammen. Dem Rücken fehlt die Kraft. Oder er stemmt sich einfach so sehr gegen das Wetter, dass es zum aufrichten nicht mehr reicht? Ich verfalle ins Walken und bin ein paar Minuten walkend unterwegs. Eigentlich dachte ich, der nasse Einfluss von oben wird im Wald weniger. Aber der Regen mit seinen dicken Tropfen kommt durch das bereits herbstlich gelichtete Blattwerk ganz gut durch.

Nach dem Erholungswalken laufe ich wieder an und kann tatsächlich wieder ein ordentliches Stück joggen. Aufrecht und mit gutem Fußaufsatz. Was passiert da eigentlich immer im Kopf, dass man nach so einem Camp oder Trainingslager alles ganz toll macht und hinbekommt und all das Erlernte dann still und klammheimlich dem Alltag, der Faulheit und dem Althergebrachten, über Jahre einstudierten, wieder zum Opfer fällt? Ich möchte dieses Mal unbedingt versuchen besser dran zu bleiben. Es klappt einfach so viel besser mit dem Joggen, als vorher. Aufrecht laufen ist einfacher für meine Lunge, die sowieso eingeschränkt ist, und natürlich auch für den Rücken und die Beine. Ich kann so viel passender aufsetzen.

Alles kein Hexenwerk und natürlich auch keine neuen Erkenntnisse. Klar. Hier im Wald, oder auch bei Gerald, erfindet keiner die Welt neu oder macht neue physikalische Entdeckungen. Hier werden einfach nur die richtigen Dinge rausgearbeitet und veranschaulicht. Eigentlich ganz einfach, und eben doch ziemlich schwer, wenn man auf sich alleine gestellt ist. Die Arbeit mit einem Lehrer oder eben einem Trainer ist durch nichts zu ersetzen. Da kann ich mir noch so viele Videos ansehen und einschlägige Bücher lesen.

Die Werkstattrechnung ist heute deutlich günstiger als vermutet und so fahre ich nach dem kurzen Trainingslauf wieder zurück nach Hause und springe schnell unter die warme Dusche. Es ist mittlerweile eben doch herbstlich frisch draußen und so einmal komplett durchnässt wird einem natürlich auch deutlich flotter kalt, als im Sommer. Ich hoffe insgeheim, dass dieser Regentag nur eine kurze Stippvisite des Regenmachers war, denn der Zeugwart und ich fahren morgen noch mal ein paar Tage weg um auch die zweite Urlaubswoche mit einem Tapetenwechsel zu versehen. Wir haben einen Camper gemietet und da wäre natürlich gutes Wetter viel netter, als schlechtes. Die Daumen sind gedrückt.

Clauditries

Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

Meine Kontaktdaten findet Ihr im Impressum!
Clauditries

Letzte Artikel von Clauditries (Alle anzeigen)


Über Clauditries

Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind. Meine Kontaktdaten findet Ihr im Impressum!