Immer nah am Guide


Die Rollentrainingssaison ist so klammheimlich angeschwappt gekommen, wie es auch oft mit Weihnachten passiert. Auf einmal ist es da, alles ist geschmückt und zack, gibt’s Plätzchen und Geschenke. Mit dem Rollentraining scheint es ähnlich. Auf einmal ist es wieder gesellschaftsfähig. Ich finde, wer im Sommer, bei Helligkeit oder bestem Herbstwetter Rolle fährt, der verpasst etwas, weil eben draußen Rad fahren durch nichts zu ersetzen ist. Mittlerweile oder tatsächlich schon seit einiger Zeit gibt’s ja Profisportler, die ihr komplettes Training drinnen machen, also Rolle fahren, auf dem Laufband laufen und dann eben ausschließlich im Pool, teilweise mit Welleneinsatz, schwimmen. Und sich der Gefahr der Welt nur kurz vor dem Wettkampf aussetzen.

Wer natürlich so wenig Risiko wie möglich eingehen möchte, für den macht das bestimmt Sinn. Ich wäge immer Genuss und Risiko ab… und wenn ich nur drinnen eingesperrt bin, dann ist das für mich sporttechnisch nicht ausschließlich verlockend. Draußen Rad zu fahren hat schon was. Allerdings ist es bei Regenwetter, anbrechender Dunkelheit und Kälte irgendwann auch einfach blöd, vor allem nach der Arbeit. Dann hat die Rolle einen Sicherheitsaspekt der das Draußenfahren einfach aussticht. Heute fahren die Zwift Riders Germany Damen eine Stunde nach Feierabend. Zumindest nach dem Feierabend der meisten Mitfahrerinnen, vermutlich.

Ich will mal versuchen, ob ich da mitfahren kann. Der Zeugwart hat mein Triathlonrad auf der Rolle montiert und ich will mich mit dem Rolle fahren wieder langsam an das Rad, die geänderte Sitzposition und vor allem den Auffliegen gewöhnen. Im letzten Jahr hab ich schon mal bei so einer Gruppenfahrt mitgemacht, aber wie das ablief hab ich vergessen. Oder verdrängt? Auf jeden Fall nicht mehr auf dem Schirm. Ich ziehe mich zeitnah um und begebe mich an die virtuelle Startlinie. Die Anführerin begrüßt per Chatnachricht und irgendwie geht’s dann auch schon los. Erfreulicherweise ist sie mit einem gelben Pfeil gekennzeichnet und rechts in der Namensmitfahrerliste kann ich auch meistens sehen, wo ich im Vergleich zu ihr im Feld rumfahre. Wie schon beim tauchen, gilt auch bei einer Zwift Gruppenfahrt: „immer nah am Guide“ bleiben. Die Gruppe soll gemeinsam fahren. Ausreißer sind nicht erwünscht.

Allerdings ist es auch mehr oder weniger egal, weil die Ausreißer, die vorneweg fahren, halt einfach aus meinem Sichtfeld verschwinden und mich jetzt gar nicht stressen. Ich fahre immer in der Nähe der Anführerin. Tatsächlich steuert sich Zwift da ganz cool, denn wir fahren alle zusammen, obwohl jeder wahrscheinlich eine andere Geschwindigkeit rollt. Zwift basiert da auf Watt pro Kilogramm Körpergewicht, und wenn ich eben das gleiche trete, wie der unfassbar dünne Avatar, der neben meinem fährt, dann fahren wir zusammen, einträchtig nebeneinander her. Draußen wäre das mit ziemlicher Sicherheit nicht möglich.

Meine Schaltung schleift, aber der Zeugwart, als Mechaniker auch ganz vorne dabei, kann das Problem während der Fahrt lösen, was großartig ist. So kann ich weiter mit der Gruppe mitfahren, und das Training durchziehen. Hier, bei Zwift ist es die Geschwindigkeit klar geregelt und schon vorab kommuniziert. Wir fahren hier 1,5 Watt pro Kilogramm. Wer anders fahren möchte, nimmt also eher nicht teil. Wer mehr kann, aber eben mal locker fahren möchte, passt gut her. Oder eben eher untrainiertere, die gerade erst starten, so wie ich.

Von den insgesamt sicherlich gut 30 Fahrerinnen, sehe ich in der Stunde meistens rund 8 um mich rum, die sich, so wie ich auch, an dem gelben Pfeil der Anführerin orientieren. Es gibt zwei Sprints, die ich aber irgendwie erst mitbekomme, weil links eine neue Leiste eingeblendet wird und alle auf einmal Gas geben.

Ansonsten halte ich mich an die Vorgaben und trete immer rund 1,5 Watt pro Kilogramm, so wie die Gruppe um mich rum. Wenn ich zu viel trete, geht mein Avatar nach vorne, dann kann ich aber nachgeben und ich dadurch wieder zurückfallen lassen. Klappt überraschend gut muß ich sagen. Die angesetzte Stunde vergeht wie im Flug und ich steige dann komplett nassgeschwatzt vom Rad ab. Für jeden Tag wäre das sicherlich nichts für mich, ich fahre wirklich gerne draußen Rad. Vor allem im Wald. Aber als Training, zum Beispiel „lang und langsam“ kann man so eine Gruppenfahrt prima verwenden, weil die Geschwindigkeit, bzw. die Watt/Kg eben vorneweg klar festgelegt sind.

Ich habe meine Freikilometer jetzt gestern aufgebraucht und sogar überschritten. Mal sehen, wie ich da weiter vorgehe.

Clauditries

Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Über Clauditries

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