Knieend frei


Es passiert so mir nichts, Dir nichts. Einfach so. Ich arbeite seit Monaten mit der Bandage, ich trainiere akribisch. Ich mache die Übungen aus dem Heft, nach Anleitung des Kniespezialisten und ich bin fleißig. Sebastian, der iQ Athletik Trainingsexperte, der mich seit Jahren kennt, sagte erst heute Vormittag am Telefon, dass ich nicht nichts kann, sondern sehr viel für das, was passiert ist… er ist einer der Wenigen, die das immer wieder aussprechen. Er sieht täglich super sportliche Menschen, er arbeitet in der Leistungsdiagnostik mit Profisportlern zusammen und kümmert sich z.B. auch um Patrick Lange, den Ironman Weltmeister, der sich am Wochenende auf Hawaii mit seiner Titelverteidigung auseinandersetzen wird.

Sebastian ist sachlich und faktenorientiert. Er streichelt einem nicht über den Kopf, was am Telefon sowieso nicht gehen würde, er basiert seine Aussage einfach nur auf den Fakten, die er kennt. Und so vereinbaren wir tatsächlich einen Termin, um meine Stoffwechselstabilität auszutesten, damit ich die Sporteinheiten, die ich mache, gleich ein bisschen strukturieren kann. Und als ich abends heim komme, suche ich etwas für den Zeugwart. zu Hause bin ich nämlich der Spürhund und finde alles viel schneller, als er.

Ich knie mich hin, denn auch wenn ich klein bin, im Regal ganz unten, ist es kniend einfach leichter zu sehen. Ich finde das gesuchte Objekt sofort und stell mich dann wieder auf und erst, als ich mich kurz etwas sortiert habe, fällt mir auf, was gerade passiert ist. Rein zufällig. Als wäre es Mitte 2013 und der Unfall mit dem Fahrrad damals hätte nicht statt gefunden. Ist doch total verrückt! Ich bin wirklich regelrecht erschrocken, weil ich mich einfach so hinknien konnte und auch jetzt, im Nachhinein  ist es total unwirklich.

So ist das also, wenn sich Training auszahlt, denn im Grunde ist es nichts anderes, als das. Es war jahrelang nicht möglich, das Knie wurde ständig dick, es war gereizt, es hat sich gewehrt und regelrecht um Hilfe und Unterstützung gefleht. Dann das intensive Training mit der Bandage. Wirklich regelmäßig, praktisch täglich, mit nur ganz wenigen Ausnahmen. Das Terraband war auf jeder Reise dabei, um die Übungen durchführen zu können, wenn Laufen, Radeln oder Athletiktraining nicht möglich war.

Und so ernte ich heute zum ersten Mal bewusst, was gesät wurde. Es ist nicht so, dass ich nun permanent knien werde oder mit dem Training aufhöre. Weil ich da angekommen bin. Eine Stärkung der Muskulatur kann nicht verkehrt sein und bei vermehrter Belastung merke ich das Knie auch immer noch, so dass ein weiteres Training sicherlich nicht schadet. Trotzdem ist es ein toller Zwischenerfolg. Einfach mal etwas deutlich merkbares. Ein Zeichen, dass die unangenehme Bandage, die Walkerei und die Geduld sich gelohnt hat.

Wenn man eben einfach dran bleibt, dann gibt’s auch Erfolge. Irgendwann. Und so wirkt das Knie mit seiner neuentdeckten Funktionalität auf einmal regelrecht befreiend. Als wäre es eine Last gewesen, nicht zu knien. Dabei ging es eben einfach nicht, aber ich habe andere Möglichkeiten gefunden. Aber es ist trotzdem total prima, dass es wieder geht. Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis ich das Hinknien wieder als normal in meinem Bewegungsablauf eingespeichert habe…

Clauditries

Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

Meine Kontaktdaten findet Ihr im Impressum!
Clauditries

Letzte Artikel von Clauditries (Alle anzeigen)


Über Clauditries

Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind. Meine Kontaktdaten findet Ihr im Impressum!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.