Der August ist wirklich wie im Flug vergangen und beim Blick aus dem Fenster heute früh habe ich auch gleich den Eindruck, dass nicht nur der September gekommen ist, sondern, dass er den Herbst gleich mitgebracht hat. Auf dem Feld findet gerade der Altweibersommer vom Feinsten statt. Überall gibt’s gut sichtbare Spinnennetze, mit Tau bestückt, der Nebel hängt tief und die Sonne kommt zwar durch, aber irgendwie gibt’s ein warmes, verdiesigtes Licht und keine klaren Farben. Eine perfekte Kulisse für einen Trainingslauf.

Eigentlich ist Montags ja Ruhetag, zumindest war das so, als die Chefin mir noch meinen Trainingsplan geschrieben hat, und ich fand das auch eine sehr verlässliche Sache. Wenn man schon lange im Voraus weiß, was an dem Tag statt findet, hat das für mich was beruhigendes. Manche Profi- Sportler bekommen am frühen Vormittag gesagt, was sie jetzt zu machen haben und je nach dem, wie das dann läuft, geht die nächste Ansage eben so oder so weiter. Die haben natürlich aber auch nur das Training zu tun. Das ist deren Job.

Prioritäten setzen ist wichtig

Ich muß meinen Arbeitsalltag ja auch noch irgendwie unterbringen. Und der ist heute mal wieder vollgepackt. Das sehe ich, weil ich gleich heute nach dem Aufstehen einen Blick in den Kalender geworfen habe. Ich muß im Prinzip auch gar nicht ganz genau schauen, weil ich eben sofort sehen kann, dass später am Tag eigentlich kein Platz für Sport ist. Weder, wenn ich mir eine Tasche mit auf die Arbeit nehme, noch heute Abend, wenn ich heim komme. Also ziehe ich mich heute früh gleich sportlich an und gehe raus. Eine runde Altweibersommerlaufen ist zeitlich auf jeden Fall drin, obwohl Montag ist. Und manchmal muß man sich eben auch einfach die Zeit nehmen und Prioritäten setzen. Und ein Trainingslauf ist absolute Priorität.

Ich mache heute einen Wechsel aus Gehen und Rennen. Immer Abwechselnd. Ohne Uhrenansage, einfach, wie es mir passt. Die Strecken, die ich renne, sind heute deutlich länger, als bisher. Der Montagmorgen kommt mit dem Trainingslauf so gut in Fahrt. Das liegt sicherlich vor allem daran, dass das Wochenende sporttechnisch eine reine Erholungsveranstaltung war. Aber offensichtlich hat mir das gut getan? Zumindest kann ich prima locker joggen. Richtig rumrennen tue ich nicht, aber zumindest ist eine Flugbewegung deutlich zu erkennen. Ich walke kurze Strecken dazwischen, aber im Grunde jogge ich mehr, als dass ich walke. Trainingslauf ist also der passende Begriff. Eindeutig.

Straffer Sitz

Die Bandage ist neu und sitzt ziemlich stramm. Ich merke meinen Oberschenkel und dass sich im Knie was tut. Beides ist nicht schmerzhaft aber eben neu und merkbar. Die alte Bandage scheine ich nicht nur gebrochen zu haben, sie ist offenbar auch total ausgeleiert gewesen über die Monate. Hätte ich nicht erwartet. Allerdings benutze ich sie natürlich auch oft. Also zumindest viel öfter, als die zweimal die Woche 15 Minuten, von denen der Arzt oder das Orthopädiehaus ausgehen. Ich bin gespannt, wann ich mich dazu entscheide, mal ohne Bandage unterwegs zu sein. Ist ja nur meine Entscheidung und da kann man mir auch nichts zu raten, ich muß das erfühlen. Manchmal bin ich aber so gefühlstaub, weil ich viel im Kopf habe und hauptsächlich funktioniere, dass ich mir das gar nicht so richtig zutrauen würde. Das richtige Fühlen.

Vielleicht kommt das ja noch. Ich habe die Runde heute merklich verkürzt. Sonst laufe ich immer noch eine Schleife und komme so wenigstens auf 5km. Heute waren es noch nicht mal 4km. Aber immerhin mit hohem Fluganteil. Das sehe ich durchaus positiv. Der Tag ist schon mal gut gestartet. Da kann nicht mehr viel kommen. Ich dusche und fahre bei strahlendem Sonnenschein ins Büro. Der Altweibersommer war heute also nur ein kurzes Intermezzo.