Das erste Mal in diesem Urlaub stellen der Zeugwart und ich uns gestern Abend den Wecker, damit wir heute früh pünktlich am Mountainbike Verleih von Thoma Sports sind. Wir sind für 10:30 h verabredet, aber ich bin da voll beim Zeugwart: lieber haben wir ein paar Minuten Zeitpuffer, als in Stress zu geraten. Michl, unser Guide, ist auch schon da und zeigt uns gleich unsere Räder. Bei Mountainbikes gibt’s sicherlich ein paar Dinge zu beachten im Vergleich zum Gravelbike. Zusätzlich ist die Fahrerei mit einem Motor garantiert auch noch mal ziemlich speziell. Das übe ich also lieber mal vorher. 

Heute wird mich also kein Wanderer für das Thema „ohne Batterie“ loben. 

Damit kann ich allerdings garantiert ganz gut umgehen. Wir beginnen unsere Runde super pünktlich und umrunden den Titisee. Leichte Hubbel auf dem Waldweg lässt mein Hardtail einfacher verschwinden, als mein Gravelbike. Mountainbike fahren ist tatsächlich noch mal was ganz anderes. Um mich mit der Schaltung und auch mit der unterschiedlichen Unterstützung etwas vertraut zu machen spiele ich auch ein bisschen mit den Schaltern am Tacho rum. Eco liefert praktisch keine Unterstützung, Tour ein bisschen mehr, eMTB ist eine flexible Einstellung, die in Abhängigkeit meines Kraftaufwands reguliert und Turbo geht ab, wie Schmitz Katze. 

Ohne, dass ich die Katze jemals gesehen hätte. Turbo probiere ich auf jeden Fall am ersten Anstieg auf Asphalt gleich mal aus und weiß schnell, dass ich diese Einstellung nicht benötige. Einen merkbaren Anstieg kann ich ruhig mit Kraft hoch treten. Da muss ich nicht mit 25 km/h hochschießen. Ohne Antrieb fahre ich ja auch oft nicht zweistellig Berg an. Das kann ich auch mit dem Mountainbike ruhig beibehalten. 

Guide Glück

Michl ist ein toller Guide. Seine Handzeichen und Ansagen kommen klar und frühzeitig. Meine Vorderradbremse macht leicht engelsartige klingelnde Geräusche und Michl legt kurz Hand an. Danach ist es tatsächlich besser. Wir fahren ein kurzes Stück Straße, ehe wir per Ansage in den kleinsten Gang schalten und mit einem U-Turn steil Berg an den Haldenweg nehmen. Grober Schotter, Steine und ordentliche Rillen im Anstieg verlangen meiner Fahrtechnik einiges ab. Aber der Anstieg ist kein Problem. Vor allem nicht, weil ich dieses kleine bisschen Unterstützung dabei habe. 

Treten muss ich trotzdem ordentlich. Da hätte ich nun sicherlich eine andere Einstellung wählen können, aber so passt es auf jeden Fall. Je langsamer wir sind, desto mehr sehen wir ja schließlich auch. Über ganz andere Wege, als wir sie bisher genommen haben, kommen wir wieder zum Raimatihof. Es geht wirklich ganz steile Stiche Berg an, die ich mit meinem Gravelbike selbstverständlich nicht hochgekommen wäre. Wir hätten diese Stiche auch ohne Guide niemals genutzt. Wieder mal stelle ich fest, was so eine geführte Runde doch für eine gute Sache ist! Schon damals beim Tauchen, was wirklich viele Jahre her ist, war es immer am klügsten in der Nähe vom Guide zu bleiben.

Dort bekommt man die besten Tipps und sieht auch am meisten. Hier beim Radguide von Thoma Sports ist es ähnlich. Ich fahre immer hinter Michl und hantiere auf dem Rad deshalb -fast- immer so, wie er. Beim Runterfahren zum Beispiel stehen wir beide über unserem Sattel und federn so die Unebenheiten der Wege einfach weg. Unsere Ellbogen und Kniegelenke dienen zur Abfederung, was wirklich super funktioniert. Schon nach wenigen Kilometern geht mir das auch in Fleisch und Blut über und ich stehe automatisch Berg ab auf, genau wie Michl. Wir fahren heute breite Waldautobahnen mit tollen Ausblicken und winzige Singletrails, bei denen es für mich wirklich extrem auf die Konzentration ankommt. 

Schmale Trails – große Anstrengung

Das hat nichts mit entspanntem Radfahren zu tun, das muss ich schon sagen. Die Trails sind extrem schmal, gespickt mit vielen Wurzeln, Kerben und Steinen. Hier muss man das Vorderrad anlupfen, das Hinterrad rutscht mir mehr als einmal weg und zusätzlich ist es wichtig, dass ich Berg an auch immer das Vorderrad entsprechend belaste. Sonst hebt es nämlich einfach ab. 

Ich hoffe, dass der Michl bei diesen Trails auch ein kleines bisschen Spaß an der Tour hat. 

Natürlich bezahlen wir für die Tour inklusive Guide, aber wenn so ein Guide selbst Spaß an der Sache hat, dann ist das natürlich ein doppelter Gewinn. Für mich ist das heute einfach mega cool. Wir fahren auf die Talstation vom Feldberg und machen eine kleine Pause. Dabei gibt es noch weitere Mountainbiketipps, die ich aufsauge, wie ein kleiner Schwamm. Mountainbiken ist bei uns daheim jetzt nicht so wirklich angesagt. Praktisch alle Strecken, die man bei uns mit einem Mountainbike fahren würde, kann ich auch mit meinem Gravel fahren. Solche Anstiege und auch Abfahrten, wie hier, haben wir aber zu Hause kaum. 

In den nächsten Tagen findet hier am Berg ein Mountainbike Rennen statt. Natürlich wird dort ohne Antrieb jeglicher Art, außer Muskelkraft, gefahren. Die Strecken sind teilweise bereits sehr gut ausgeschildert und so findet Michl, dass der Zeugwart, er und ich doch einige Etappen dieser Strecke mal abfahren könnten. Offensichtlich fahre ich besser Mountainbike, als ich dachte? Natürlich ist vollkommen klar, dass die Strecke ohne die E- Unterstützung für mich nicht fahrbar wäre. Schon so ist es für mich so anstrengend, dass ich mein Spray mehrfach Nachsprühen muss. 

Unstoppable

Trotzdem ist es eine tolle Sache, dass man eben mit dieser leichten, mittleren oder auch starken Unterstützung, auch mal solchen Wege fahren kann. Trails, die schon zum Wandern von kaum jemandem ausgesucht werden würden, weil sie einfach zu unwegsam und zu steil sind. Für Michl sind sie sowieso kein Problem, sicherlich auch nicht, wenn er ohne E- Unterstützung unterwegs ist. Der Zeugwart kann auch alles hochfahren und dabei noch lächeln. Ich habe bei den schwierigen Berg auf- und bei einigen der für mich fast unlösbaren Berg ab- Passagen immer „Unstoppable“ als Mantra im Kopf. Das Lied gehört für mich bei so Überwindungsthemen einfach dazu. 

Die Männer sind der Meinung, dass ich das alles fahren kann und haben damit natürlich auch recht. Oft traue ich mir selbst deutlich weniger zu. So ist das auch beim Mountainbike fahren. Stiche mit 25 % Steigung sind in meiner Welt einfach nicht fahrbar gewesen. Bis Michl kam und einfach vorangefahren ist. Und weil ich ihm ja alles, bis auf seine Sprünge, nach mache, bin ich eben hinterhergefahren. Und auch oben angekommen. Stolz, wie Bolle! 

Fazit

Wir sind mehr als zufrieden, als wir zurück zu Thoma Sports in Titisee rollen. Ich habe das Gefühl, dass ich viel Fahrtechnik gelernt habe und noch richtig lange von den Erlebnissen dieser geführten Tour zehren werden. Für den nächsten Schwarzwald Urlaub steht auch bereits jetzt fest, dass Michl, der auf jeden Fall noch bis 2023 bei Thoma Sports arbeitet (weil erst dann sein Studium vorbei ist), uns ganz sicher wieder mindestens einen MTB Tour führen soll. Wir fahren wirklich die kleinsten Wege und der Zeugwart und ich sind uns 100 % sicher, dass wir die meisten davon nie selbst ausgewählt hätten. Manche sind zwar beschildert, allerdings verliert sich die Schilderspur dann wieder jäh am Berg. Ohne Ortskenntnis findet man sich nicht gut zurecht. 

Geführte Mountainbike Touren, wie wir sie mit Michl gemacht haben, werden bei Thoma Sports ab vier Teilnehmern durchgeführt. Oder man macht es wie wir, und bezahlt einfach die fehlenden Teilnehmer selbst. Das Ausleihen der Räder ist bei Thoma Sports natürlich auch ohne geführte Tour möglich. Es gibt eine große Auswahl an unterschiedlichsten Fahrrädern in Typen und Größen. Ein XS Rad für mich auszuleihen war beispielsweise gar kein Thema. Hier geht’s zur Website

Hinweis in eigener Sache

Für diese Tour von Thoma Sports haben wir natürlich keinen Sonderpreis bekommen. Wir sind einfach ganz normale Kunden gewesen. Es besteht keine Kooperation oder Zusammenarbeit. Das Erlebnis war für uns allerdings so super und der Service wirklich top, dass ich weitersagen absolut ok finde. Man muss bei sowas ja auch immer ein bisschen Glück haben, deshalb finde ich „weitersagen“ wenn etwas gut war, immer am besten. Ich hoffe nur, dass es für uns im nächsten Schwarzwald Urlaub dann wieder Kapazitäten gibt.