Vor ein paar Wochen habe ich über eine passende Facebook Gruppe einen Hinweis zu einem Gravel- und Bikepacking- Themenabend bekommen. Die Teilnahme ist kostenlos. Allein der Titel der online Veranstaltung hat mich gelockt. Immerhin haben der Zeugwart und ich seit unserem September Urlaub Gravelbikes und auf meinem Tacho stehen schon über 700km. Ich fahre es also auch richtig gerne. In einem meiner letzten Blogposts zum Thema habe ich ja bereits festgestellt, dass mir meine Arbeit eindeutig zu wenig Zeit zum Rad fahren lässt. Nun gut. Ich melde mich über den vorgegebenen Link zur Veranstaltung an. Gestern erhalte ich dann noch mal eine Erinnerung inklusive geplanter Agenda per Email.

Übersichtliche Agenda

Die liest sich spannend, aber auch gut getaktet. Jeder Referent hat 20 Minuten Zeit für sein Thema. Natürlich interessiert mich jetzt nicht jedes Thema. Aber da die Online Veranstaltung um 17h startet und bis um 21h gut gefüllt mit Informationen sein wird, ist es sicherlich auch nicht schlecht, wenn nicht alles total packend ist. In der Email – Erinnerung ist auch gleich der Link zur Zoom- Veranstaltung. Ich kann mich so heute Nachmittag überpünktlich einwählen. Lieber ist es mir, wenn ich zeitig in so einer online Veranstaltung drin hänge. Gerade am Anfang möchte ich keine Hinweise verpassen, die nützlich sein könnten. Daniel, der Leiter Radclubs der BVA Bike Media GmbH, öffnet seine Kamera pünktlichst und begrüßt alle Teilnehmer.

Ich sehe nicht, wie viele wir sind. Daniel spricht von fast 500 Anmeldungen und das kann ich in der jetzigen Situation total gut glauben. Sicherlich wird es auch eine Aufzeichnung geben. Das heißt, nicht jeder der sich angemeldet hat, ist heute von 17h – 21h online. Aber ich kann mir vorstellen, dass ein Gravel- und Bikepacking- Themenabend für total viele Leute so interessant ist, wie für mich. Graveln ist ja das neue Crosserfahren. Statt auf möglichst dünnen Reifen wie verrückt durch den Wald zu rasen, geht es nun eher darum breitere Reifen aufzuziehen und auf dem Rad womöglich noch Platz für Gepäck zu haben. Die Grenzen zwischen dem Gravelfahrer und einem Bikepacker sind oft fließend.

Menschen, die begeistern

Nach einer kurzen Begrüßung inklusive Vorstellung seiner Person und den Radclubs um die er sich kümmert, geht’s mit dem Gravel- und Bikepacking- Themenabend gleich richtig los. Wir lernen Laurens ten Dam kennen. Ehrlich gesagt kenne ich den Mann nämlich nicht von seinen Tour de France Teilnahmen. Laurens ist ein ehemaliger niederländischer Radsportprofi, der seine Rennsportkarriere 2019 beendet hat. 2014 fuhr er bei der Tour de France in die Top 10. Mittlerweile hat er das Gravelbike für sich entdeckt und erzählt uns, wie es dazu kam. Und weil er in der Zeit seiner aktiven Rennradsportkprriere viel über Veranstaltungen gelernt hat, zieht er mittlerweile selbst ein paar auf. Allerdings im Gravelbereich. Laurens Vortrag, auf Englisch, ist kurzweilig. Er  gewährt uns viele Einblicke in die Idee, die hinter seiner Karriere und in seinen Gravelevents steckt.

Der Gravel- und Bikepacking- Themenabend hat sich für mich schon gelohnt.

Und das war erst der Erste Vortrag! Nach einem von Daniel super durchgeführten Fragen & Antworten Teil, geht’s direkt weiter zu Gerard Vroomen. Gerard ist unter Anderem der Macher meines Gravelbikes und schon alleine deshalb wird er wissen, um was es geht. Und so ist es dann auch. Er erzählt viel zu technischen Komponenten, Reifenbreiten und Aufbau. Leider für mich oft zu technisch, dafür saugt der Zeugwart allerdings alles auf, was geht. Das tut er auch beim nächsten Vortrag, in dem Felix Schäfermeier von Schwalbe uns etwas zu Reifen erzählt. Für mich, die ich halt einfach nur unheimlich gerne Fahrrad fahre, ist die Erkenntnis, dass ich vorne und hinten einfach mal nicht den gleichen Reifen aufziehen soll, neu. Auf so etwas komme ich natürlich alleine nicht.

Erstens bin ich unkreativ und zweitens denke ich auch nicht über den Vor- oder Nachteil von so einer Zusammenstellung nach. Felix allerdings schon, denn sein Beruf scheint auch wirklich seine Berufung zu sein. Er hat wirklich ein Talent selbst mir nachvollziehbar zu erklären, warum die Zusammenstellung von zwei verschiedenen Profilen auf dem Vorder- und dem Hinterrad durchaus Sinn machen kann. Toll! Ich mache mir ein Bildschirmfoto, damit ich das bloß nicht vergesse. Immerhin wird es für mein Gravelbike demnächst, wenn der Winter kommt, auch Zeit von den Sommerreifen weg zu gehen. Mit Sommerreifen durch den Winterwald zu rutschen macht nämlich keinem wirklich Spaß.

Die Referenten des Gravel- und Bikepacking- Themenabend sind oft, aber nicht ausschließlich Partner der Radclubs, die Daniel zu Beginn vorgestellt hat. Und weil wir nun, dank Felix, wissen, wie wir mit perfekter Bereifung jedem Bodenbelag trotzen können, kann man davon ausgehen, dass die Räder auch richtig eingesaut zurück kommen. Bernhard Schambeck hat da für uns die Lösung parat. Er ist ein Spezialist der Firma Tunap. Eine Marke, die ich noch nie zuvor gehört habe. Der Zeugwart allerdings ist bereits im Bilde und so hören wir also, wie wir sinnvollerweise unser Rad nach einer Tour sauber machen. Und wir erfahren auch, wie wir es  kurz vor der Abfahrt für die Tour vorbereiten. Ein Rad von Dreck, Staub und Schmutz zu befreien ist für die Lebensdauer aller Anbauteile, einem ordentlichen Antrieb und nicht zuletzt auch für die Sicherheit total entscheidend.

Erste Hilfe

Den nächsten Vortrag über Erste Hilfe höre ich nur am Rande, weil ich etwas zu Essen für uns mache. Ich bin ausgebildete Ersthelferin und glaube deshalb, dass ich die ersten Maßnahmen sicherlich eh beherrsche. Weiter geht’s mit Jonas Deichmann, der einen Triathlon um die ganze Welt absolviert und dabei immer mal wieder von Markus Weinberg mit der Kamera begleitet wird. Zumindest habe ich das so aus der Küche aufgeschnappt. Jonas ist offensichtlich einfach total verrückt. Er besitzt laut eigener Aussage praktisch nichts und verbringt seine Zeit eben mit Abenteuern. Die beiden Herren erzählen unterhaltsam davon, wie man beim Schwimmen ißt, wie es in einer Wüstenregion nach Sonnenuntergang auch ziemlich kalt werden kann und wie anstrengend die Filmerei für einen Kameramann sein kann. Der ist nämlich nicht ganz so umfangreich im Training, wie der Ultraathlet selbst.

Auf den nächsten Vortrag freue ich mich besonders. Es geht laut Agenda um die Psychologische Vorbereitung eines Langstreckenevents. Gerade der Kopf ist bei etwas, was besonders lange dauert, Gravel oder eben auch nicht Gravel, ja immer wichtig. Ich bin gespannt, ob es bestimmte Mentaltechniken gibt. Vortragende ist Maxie von Diagnose Berlin. Allerdings wird mir nach ein paar Minuten klar, dass es sich um einen Tippfehler in der Agenda gehandelt hat. Maxie spricht von einer guten physiologischen Vorbereitung. Das ist bestimmt auch interessant, aber für mich jetzt nicht ganz so packend, wie es die psychologische Variante gewesen wäre.

Planung

Um Komoot dreht es sich als Nächstes bei Ante Botica. Ich glaube, er wohnt hier bei uns in der Nähe, denn bei der Vorstellung wird über eine Bombe gesprochen. Und die wurde gestern nämlich unweit von uns im Osten von Frankfurt kontrolliert gesprengt. Ante zeigt uns seine Tipps und Tricks zum Planen einer Graveltour. Vor allem sind für ihn natürlich auch Übernachtungsmöglichkeiten entscheidend. Bei Komoot gibt’s dazu eben verschiede Anzeigevarianten. Die Knöpfe habe ich noch nie gedrückt. Und ich habe mittlerweile wirklich schon einige Touren bei Komoot geplant. Offensichtlich macht der richtige den Vortrag, denn Ante kennt alle Funktionen und kann alles zusätzlich prima rüberbringen. Das ist bei sowas ja auch immer wichtig.

Ich bin mittlerweile ziemlich platt. Die Woche hat mich wirklich angestrengt. Allerdings will ich den nächsten Vortrag unbedingt noch ansehen. Wir haben mittlerweile gute 30 Minuten Zeitverzögerung. Trotzdem ist es natürlich noch nicht super spät. Allerdings hat meine innere Uhr dazu eben eine ganz eigene Meinung. Als nächstes geht es um Schotter Rennen in Deutschland. Bengt Stiller erzählt uns mit tollen Fotos von seinen Abenteuern. Er erzählt ganz wunderbar… allerdings schaffe ich den Vortrag nicht und schlafe einfach auf der Couch ein. Ich hoffe hier also auf die Übersendung der Videoaufzeichnung. Mein Einschlafen hat dem armen Bengt Stiller total unrecht getan! Und selig schlummernd verpasse ich dann auch den letzten Vortrag in dem es wieder um einen spannenden Menschen geht. Zumindest lässt mich der Titel darauf schließen: „Pedals Kill Cancer. Wie eine Krebsdiagnose zum Ausgangspunkt eines außergewöhnlichen Bikepacking-Abenteuers wurde“

Das war ein tolles Format und der Gravel- und Bikepacking- Themenabend hat sich total gelohnt! Danke an alle Referenten und vor allem danke an Daniel, der wirklich super durch den Abend geführt hat.

Falls hier jemand mitliest, der so einen Abend noch mal aufziehen möchte… als weitere Themen fänd ich noch toll:

  • Packtaschen – welche sind wie einzusetzen, wie werden sie montiert, wie schützt man den Rahmen, wie werden sie gepackt und was kann man sich aus der Erfahrung heraus an Inhalt sparen?
  • Navigation – wie wird navigiert, wie lädt man die Geräte in der Wildnis auf, fährt man einfach und lässt sich irgendwann zum Ausgangspunkt führen?
  • Fotoausrüstung – wo bewahrt man die gut auf, dass sie griffbereit, aber doch geschützt ist? Welche Kameras werden so benutzt? Werden die Aufnahmen ohne Stativ gemacht und wenn doch mit, welches ist dabei? Wechselobjektive? Actioncam? Wie viele Anläufe nimmt man, bis so eine Aufnahme im Kasten ist? Wird das geplant, oder sind die meist tollen Bilder reiner Zufall?