Immer Dienstags gibt’s für Gäste im Hotel Mohrenwirt die Möglichkeit an einem geführten Schwimmtraining teilzunehmen. Schwimmen kann man hier ja grundsätzlich zu jeder Zeit im See und eigentlich auch im Fuschlseebad, wo immer am Morgen zwei Bahnen für Hotelgäste reserviert sind. Bergpanorama inklusive. Aber Dienstags gibt’s eben noch einen Bonus obendrauf und ein Schwimmtrainer steht am Beckenrand. Der Zeugwart und ich haben uns gestern Mittag auf die Teilnehmerliste geschrieben. Die lag an der Rezeption aus und ich war hin und hergerissen.

Die Zusammenarbeit mit einem Schwimmtrainer ist eigentlich immer total anstrengend. Das liegt daran, dass die meisten Schwimmtrainer davon ausgehen, dass man eben einfach ein total fitter Schwimmer ist und mit so Sätzen wie „wir schwimmen uns mal 400m ein“ bei mir auch gleich ins Schwarze treffen. Als ich noch regelmäßig drei mal die Woche geschwommen bin, gehörte das dazu. Aber wenn man weniger schwimmt, dann sind 400m einschwimmen irgendwie fast schon die ganze Einheit. Aber halt nur fast.

Frühes Frühstück zur Stärkung

Wir frühstücken heute vor dem Schwimmtraining und laufen danach zum Seeufer. Das Fuschlseebad liegt dunkel und verlassen da. Wir sind die Einzigen hier. Das Bad ist menschenleer. Als wir unsere Spinde abschließen, sind dann doch zwei Herren draußen. Einer entfernt die Abdeckung vom Schwimmbecken, und der andere ist unser Trainer. Locker sieht er aus und ein anderes Temperaturempfinden hat er, als ich. Denn er greift ins Wasser und findet es kalt, während ich reinfasse und es angenehm finde. Der Schwimmbadmitarbeiter teilt mit, die Temperatur liegt bei 24,5°C.

Der Trainer, den der Mohrenwirt hier schickt, ist Manuel Wyss. Kenner der Szene wissen mehr, ich musste nachlesen, einfach um sicher zu gehen, dass ich mich hier nicht total blamiere. Aber er hat Erfahrungen mit Leuten, die besser werden möchte, ist er doch außer Triathlet, auch noch Coach. Und das nicht nur für die Schwimmeinheiten Dienstags im Fuschlseebad im Rahmen der Mohrenwirtgäste.

Einschwimmen und los geht’s

Als hätte ich es geahnt, geht es gleich mit 8x50m los. 25m normales Kraulen, 25m Abschlag. Überhaupt wird heute jede Menge Abschlag geschwommen, das scheint Manuel’s Ding zu sein. Jeder Trainer schaut ja immer speziell auf etwas, oder arbeitet gerne mit einer bestimmten Technik und so bin ich wirklich gespannt, wie das Training heute so abläuft. Nach dem Einschwimmen und einer kurzen Problematikbesprechung, sieht er selbstverständlich das, was ich schon weiß, und kann mir nun ganz spezifische Tipps geben.

Da der Zeugwart und ich heute alleine mit dem Trainer sind, haben wir nicht nur alle Zeit der Welt, sondern wir haben vor allem auch seine ganze Aufmerksamkeit. Ihm ist tatsächlich daran gelegen, dass wir möglichst viel aus dieser Trainerstunde rausholen. Obwohl ich es verstünde, dass es im Grunde auch egal sein könnte, weil er mich ja sicherlich nicht regelmäßig schwimmen sieht und deshalb auch gar nicht weiß, ob ich seine Tipps und Übungsanmerkungen umsetzen werde. Und ob er sich, falls wir uns noch mal sehen, dann tatsächlich an meine Schwimmfehlhaltungen erinnert und dann weiß ob ich, oder ob ich nicht daran mit seinen Übungen gearbeitet habe, das bezweifle ich.

Voll ausgenutzt

Weil ich einfach von mir auf andere schließe. Ich kann mir die Sachen sicherlich ein paar Wochen merken, aber dann wird’s einfach schwierig. Manuel sieht genau, was mein Thema ist. Die Hand führt, ich tauche zu knapp unter der Wasseroberfläche ein, vor allem rechts ziehe ich dann irgendwie wild geworden durchs Wasser und verschwende damit zu viel Energie. Alles nicht dramatisch, aber im Ganzen wäre es eben besser, ich würde es anders machen. Mir gefällt Manuel’s Trainingsmethode. Er ist nicht vehement und bestimmend, sondern es ist mehr so eine erklärende Art und Weise, die mich überzeugt. Vor allem der Hinweis, dass viele, die schnell schwimmen, ihre Hand eben so oder so halten oder dass die, die erfolgreich sind, weniger von dem und mehr von dem anderen machen, ist mir sofort einleuchtend.

Mir helfen auch die vielen Vorturnbeispiele und die Fernlenkung vom Beckenrand. Und natürlich die Wiederholungen. Das ist auch viel wert, wenn man dafür Zeit hat und sich die auch nimmt. Das muß auch einem Trainer gefallen. Denn viele wollen ja dann in so einer Trainerstunde (oder wie bei uns in 90 Minuten) möglichst viel unterbringen. Manuel ist die Ruhe selbst und begnügt sich mit dem Wesentlichen. Und das kann ich dann akribisch einstudieren. Weil der Mensch eben hauptsächlich gut durch Wiederholungen lernt.

Der Funke ist übergesprungen

Im letzten Übungssatz merke ich dann tatsächlich auch eine entsprechende Veränderung. Nichts Großes, aber Kleinvieh macht schließlich auch Mist und tatsächlich führt auf den 6x100m zum Abschluss zum größten Teil der Ellbogen. Und die Händen tauchen auch in Richtung Becken-Boden-Berührungskante (also ziemlich genau bei 15:48h, wenn die Wasseroberfläche 15h und der Boden 18h ist) ein und die Finger sind locker gespreizt. So weit, dass ich es automatisiert mache, ist es natürlich noch nicht, aber ich mache es schon deutlich öfter und natürlicher, als vorher. Und ich merke sofort, wenn ich es nicht mache.

So ein Fremdschwimmtraining lohnt sich. Vor allem, wenn man einen guten Trainer am Rand hat. Das weiß man ja meistens nicht vorher. Auch kann ein guter Trainer ja auch keine Sympathie mit dem Schüler haben, und dann kann er noch so gut und der Schüler noch so lernwillig sein, ein gutes Ergebnis erzielen beide nicht. Wir haben mit Manuel wirklich Glück heute. Alles hat gepasst und das nicht nur, weil wir die einzigen zwei Schwimmer im ganzen Becken waren. Er hat zielsicher meine Problemschwimmteile gefunden, und dann ganzheitlich bearbeitet. Auch immer mit einer Erklärung, warum das sinnvoll ist, was er sagt und warum das nicht sinnvoll ist, was ich so mache.

Ich bin nach den knapp mehr als 90 Minuten gut schwimmerisch bedient und brauche bis zum nächsten Sportprogrammpunkt erst mal eine kurze Erholungspause. Der Zeugwart nutzt die natürlich für die Augenpflege, in der Hoffnung, dass das bald besser wird.