Gedanken zum Gedenken


Ständig kann man irgendeinem Ereignis gedenken, praktisch an jedem Tag ist auf der Welt an jedem Ort schon mal was ganz grausiges passiert. Täglich wird jemand geboren und täglich sterben Menschen, manchen wird öffentlich gedacht, manchen nur in kleinen Kreisen. Für mich war vor einigen Tagen der Jahrestag meines ersten Fahrradunfalls. Dem muß jetzt keiner wirklich gedenken, es war ja auch kein besonders schöner Tag. Aber für mich ist dieser Tag im November 2013 immer eine Erinnerung, wie eine Sekunde viel verändern kann. Wie froh ich bin, dass ich trotz des heftigen Aufpralls auf den Kopf, heute klar denken kann und dass ich praktisch ohne Narben im Gesicht davon gekommen bin.

Heutzutage ist der Unfall fast vergessen. Aber eben nur fast. Gerade zum Jahrestag kommt er mir regelmäßig in den Sinn, oder wenn ich zum Zahnarzt zur Kontrolle gehe. Dieser erste Unfall hat mir viel gezeigt. Ich habe vor allem auch wegen der Behandlung auf der Arbeit nach dem Unfall meinem damaligem Job und Arbeitgeber den Rücken zugedreht. Das stand zwar sowieso vorher auch schon im Raum, aber die Behandlung, die mir damals, gleich nach dem Unfall zu Teil, wie abgrundtief unmenschlich sich dort verhalten, und wie rücksichtslos mit meiner Situation umgegangen wurde, das hat mir damals einfach die Augen geöffnet.

Wie wir miteinander umgehen, ist für mich ein ganz wesentlicher Faktor in meinem Leben. Ich verstehe nicht, wieso wir oft so viel Wert darauf legen, dass alles nach unserem Kopf von statten geht, wenn Menschen Dinge anders machen. Warum wir die Beratung von Anderen oft so in den Vordergrund stellen, obwohl wir manchmal auch gar nicht nach unserer Meinung gefragt wurden. Wenn wir etwas nicht gut finden, was ein anderer Erwachsener macht, warum wollen wir das nicht akzeptieren, solange es keinem schadet, außer dem eigenen Ego? Weil es eben nicht nach unserer Schnauze geht.

Heute ist der Gedenktag der Opfer im Straßenverkehr. Davon gibt es zahlreiche. Viel zu viele Verkehrstote auf der ganzen Welt. Täglich fahre ich auf meinem Arbeitsweg über viele Straßenkilometer und oft verfolge ich die Staumeldungen, die ganz oft darauf aufmerksam machen, dass eine Rettungsgasse gebildet werden soll. Wieso denken die wenigstens da automatisch dran? Wieso werden Rettungskräfte behindert? Was geht in den Angehörigen vor, wenn ein Opfer nicht gerettet werden kann oder schwerwiegende Folgeschäden zurückbehält, weil ein anderer Verkehrsteilnehmer in der Zufahrt geparkt hat, weil ihm 10m weiter parken eben zu weit gewesen wäre, oder weil die Rettungsgasse eben nicht gebildet wurde?

Wieso ticken wir so auf der Welt? Wieso ist es wichtiger, dass ich schnell schnell irgendwo hinfahre und dabei einen Fahrradfahrer lieber mit nur 30cm Abstand überhole, als hinter dem Radler zu bleiben, bis genügend Platz ist? Warum haben so viele das Gefühl, dass sie andere Verkehrsteilnehmer, auch Radfahrer, maßregeln müssen, weil die eben anders Auto fahren oder anders unterwegs sind, als man selbst? Warum machen wir uns keinerlei Gedanken darüber, warum der Fahrer vor uns vielleicht gerade so fährt? Vielleicht hat der ein Langzeitblutdruckmessgerät an und muß seinen Arm gerade ruhig halten, und hat deshalb einmal nicht geblinkt? Vielleicht hat der Radfahrer die Auffahrt zum ausgeschilderten Radweg verpasst und will nun nicht im fließenden Verkehr anhalten um sein Rad den Bordstein raufzuheben? Vielleicht ist der Radweg auch unzumutbar im Zustand oder im Verschmutzungsgrad?

Warum nehmen sich manche Menschen, vor allem als Autofahrer, das Recht heraus, andere in ihre Schranken weisen zu wollen? Warum kann man nicht einfach miteinander auf der Straße unterwegs sein? Und wenn ich gestresst bin, weil es mal wieder länger dauert, warum schiebe ich die Schuld auf die anderen? Warum fasse ich mir nicht an die eigene Nase weil ich vielleicht den Verkehr nicht bedacht, zu kurzfristig geplant, oder einfach ein schlechtes Timing habe? Weil es immer netter ist, wenn ich schuldbefreit bin und andere die, die die Schuld trifft. Wir Menschen sind so gestrickt.

Ich bin selbst oft wegen der Verkehrsdichte im Rhein-Main-Gebiet länger unterwegs, als es für die Kilometer die ich zu überwinden habe, eigentlich notwendig wäre. Daran hat aber nicht der Fahrradfahrer Schuld, der mit 15km/h in der Stadt vor mir auf der Straße rumfährt. Der hat nämlich mit einem verstopften Radweg zu kämpfen und wenn ich vor ihm an der sowieso roten Ampel bin, dann habe ich vielleicht ein paar Sekunden gewonnen und ihm unnötigen Überholstress beschert, weil es in 9 von 10 Fällen in einer Stadt viel zu eng ist um einen Fahrradfahrer zu überholen.

Kommt es wirklich auf die paar Minuten an? Muß wirklich jeder im Straßenverkehr alles so machen, wie ich es für richtig halte, oder besteht auch die Möglichkeit, dass es einen Grund gibt, dass der andere sich so verhält? Ist es meine Aufgabe andere Verkehrsteilnehmer zu maßregeln? Oder ist es nicht vielmehr wichtig für einander da zu sein, im Straßenverkehr und auch überall sonst aufeinander zu achten und zu helfen, wenn Hilfe nötig ist? Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel und ich bin mir durchaus bewußt, dass es in und auf jedem Fahrzeug  auch öfter mal schwarze Schafe gibt.

Aber die Masse in unserer Gesellschaft ist doch wohl hoffentlich normal und nicht selbstsüchtig, gemein und egozentrisch. Möchte man meinen.

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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