Schaukeln im Rhythmus 2


Der gestrige Lauf sitzt mir ganz schön in den Knochen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass dieses Leistungsunvermögen tatsächlich noch immer mit meinem Unfall und den überstandenen Verletzungen zusammenhängt. Vielmehr scheint es der Zahn der Zeit zu sein, der bei mir jäh zuschlägt. Ich muß bei Gelegenheit mal mit meinen Eltern reden, ob die ihr fortschreitendes Alter auch so plötzlich -und fast schon unerwartet- gemerkt haben. Falls ja, könnte ich es ja als familiäres Erbe verbuchen und sowieso nicht ändern. Falls nein, muß ich mir eine andere Erklärung überlegen, oder einfach mehr trainieren. Da ich klammheimlich ahne, dass es familiär keinerlei Erklärung geben wird, fahre ich heute zum Schwimmtraining. Der SchwimmGuru kann schließlich am allerwenigsten etwas dafür, dass ich vermeindlich alt bin und total unfit.

Wir sind alle nicht sonderlich motiviert heute und könnten uns viele Dinge, allen voran Couch, Schlafen oder Pizza, viel viel besser vorstellen, als jetzt ins kühle Nass zu hüpfen. Aber wo wir schon mal mit Anwesenheit glänzen.. und wir doch im Herzen Triathleten sind, ziehen wir uns um und ab geht’s ins Wasser. So kalt ist es dann gar nicht, oder rede ich mir das nur ein, damit kein Selbstmitleid aufkommt? Madita hat letzte Woche ihre 100m Zeit ermittelt und weil die irre flott war, machen wir heute alle beim einschwimmen einen 100m Test. Ich brauche 1:45Minute, bin weit hinter Madita’s Zeit von letzter Woche und lese mir dann erst mal meinen Trainingsplan durch. Der sieht ganz schön lang aus heute. Der SchwimmGuru hat allerlei Leckereien drauf geschrieben, warum auch nicht, denkt er sich bestimmt. Ich soll ja auch was vom Trainingsplan haben.

Während ich mich weiter der Orientierung widme und dabei stetig zwischen ertrinken und mühevollem überleben abwechsle, freue ich mich schon insgeheim auf die Dusche. Und dabei bin ich noch gar nicht so lange im Wasser. Zumindest lässt das, was noch auf dem Trainingsplan steht, darauf schließen, dass es noch nicht lange sein kann. Ich habe noch einen ziemlichen Batzen vor mir. Ist ja verrückt heute. Obwohl ich nicht wirklich langsam mache. Dieses Rhythmus schwimmen, dass ich beim orientieren praktizieren soll, schaukelt mich ganz schön. Überhaupt ist es heute hier viel viel welliger als sonst. Oder diese betonte Schaukelei ist das Thema.

Als ich es dann schlußendlich doch durch den Plan hindurch und unter die Dusche geschafft habe, bin ich sehr zufrieden. Vor allem natürlich, dass ich überlebt habe, das ist mit das Beste daran. So kann ich mich nämlich mit dem Zeugwart am Wochenende noch mal mit meinem neuen Canyon beschäftigen. Canyon hat mir nämlich netterweise noch einen D-Fly zugeschickt, quasi weil sie sich meine nicht so super toll gelaufene Übernahme auch selbst nicht so vorgestellt haben. Ich freue mich allerdings ziemlich, dass meine Ansprüche an so eine Fahrradübergabe nicht zu hoch waren, sondern dass Canyon es genauso sieht. Einen schlechten Tag kann man eben immer mal erwischen.

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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2 Gedanken zu “Schaukeln im Rhythmus

  • Helge Orlt

    Liebe Claudi,
    denke einfach immer dran, was du vor ein paar Monaten konntest und was du jetzt kannst. Dann wird dir bewusst, das mit deinem Leistungsvermögen alles in Ordnung ist und das alles in die richtige Richtung zeigt.
    Es braucht mit 25 halt eben nur länger als mit 20 ;-)
    Nach solchen Einheiten zufrieden sein, ist immer ein richtig gutes Gefühl. Gerade wenn man am Anfang lieber auf der Couch geblieben wäre, hinterher fühlt man sich dann unter der Dusche einfach nur gut :-)
    Hast du super gemacht.
    Liebe Grüße
    Helge

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