Wellen nach Randa


Lovis möchte unbedingt mal 100km auf ihrem Rennradtacho haben und so haben wir schon in den letzten Tagen beschlossen, dass wir heute nach Randa fahren. Im letzten Jahr sind wir eine Tour dorthin gefahren und hatten genau 96km auf der Uhr und die letzten 4km, die kann man zur Not auch noch in einem Kreis um die Finca fahren, wenn der Tacho perfektes Zahlenwerk liefern soll.

Der Zeugwart stellt auf seinem und meinem Garmin die Strecke ein und so kann ich das mit der Navigation heute auch mal üben. Das Anzeigen im Ruhezustand klappt schon mal ganz hervorragend. Ich bin gespannt, wie das im Fahren dann so wird. Wir haben außerdem die verschiedenen Bildanzeigen angepasst, so dass ich jetzt nur noch die Auswahl zwischen drei Bildschirmen habe und einer davon mein üblicher Tacho und der andere die Kartennavigation ist. Den Dritten nutze ich selten, aber ich bin auch nicht traurig, dass er da ist. Als wir uns zur Abfahrt formiert haben, drücke ich Start und schon geht’s los.

Navigation

Die Einstellungen sind wunderbar gewählt und ich kann außer der Karte auch noch am oben Rand des Bildschirms lesen, wann ich wieder abbiegen muß, oder ob es in einem nahenden Kreisel geradeaus geht. Ich weiß sogar was auf dem Straßenschild stehen wird, weil der Garmin mir das anzeigt. Eine wirklich tolle Technik. Wir fahren leicht wellig in Richtung Randa und diese leichten Wellen machen mir sehr zu schaffen. Kimberly, der pinke Power Ranger, freut sich an jedem Anstieg wie Geburtstag und Weihnachten zusammen und drückt den weg, als wenn sie nie was anderes gemacht hätte.

Ich dagegen puste und trete und puste. Der Weg nach Randa war im letzten Jahr schon anstrengend und auch in diesem Jahr ist es keinen Deut einfacher. Es geht ständig hoch und runter, die kleinen, verwinkelten Straßen sind herrlich eingemauert und dicht bewachsen. Hier ist es einfach unheimlich malerisch und so richtig schön. Den Tafelberg von Randa sehen wir schon von Weitem und so haben wir das Ziel ständig vor Augen. In einem Eck hält der Zeugwart an. Es ist nämlich nicht mehr ganz so weit bis zum Berg und zusätzlich muß der pinke Ranger mal. Für mich also eine wunderbare Verschnaufpause und für Lovis und den Zeugwart eine tolle Gelegenheit ein Gel zu nehmen. So haben wir alle was davon.

Tafelberg

Wir pirschen uns weiter an Randa ran, fahren auf wenig befahrenen Straßen, haben den Tafelberg stets im Blick und manchmal klappt’s mit den Wellen bei mir und manchmal auch nicht. Lovis versteht mein Thema. Ich bin mir nicht sicher, warum das so ist, denn wir kennen uns erst seit Oktober und richtig auch erst seit letzter Woche, aber trotzdem weiß sie genau, was los ist und warum. Sie ist manchmal einfach nur da. Wie der Zeugwart auch. Beide haben ein sehr gutes Gespür für die Kurzatmigkeit. Für alle meine Mitfahrer ist meine Kurzatmigkeit erfreulicherweise gar kein Problem. Sie fahren nach der Methodik, dass keiner zurückgelassen wird und akzeptieren die von mir benötigten Pausen, ohne Murren.

Sie geben mir niemals das Gefühl, dass sie eigentlich lieber schneller unterwegs wären, oder dass eine Pause jetzt unangebracht wäre. Sie nehmen es einfach als Gegeben hin und warten, bis ich wieder gut bei Puste bin. Dann erst geht’s weiter. Der letzte Anstieg in den Ort ist lang und ich beschließe, dass ich mir den Tafelberg heute spare. Ich möchte auch wieder gut zurück kommen und vielleicht ist es einfach schlauer, wenn ich mir den 5km Aufstieg spare? Eigentlich schlimm, dass ich über sowas nachdenke, wo noch gar nichts endgültig feststeht, aber andererseits will ich mir den Urlaub auch nicht versauen. Es wäre einfach nur dumm sich jetzt abzuschießen und dann nicht mehr genug Kraft für den Heimweg zu haben.

Dreimal

Am Café sage ich den besten Mitfahrern, die man sich wünschen kann, dass ich heute nicht hochfahren werde. Alle sind traurig, keiner drängelt und alle verstehen. Als sie um die Ecke gebogen sind und den Anstieg in Angriff genommen haben, gehe ich rein, hole mir eine Flasche Wasser und setze mich vor das Café in den Schatten. Zahlreiche Radfahrer kommen an mir vorbei und fahren meinen drei Sportkollegen nach. Große Gruppen, kleine Gruppen und einzelne Radler, aber auch Motorradfahrer und Trikes wagen heute den Aufstieg und wollen die tolle Aussicht nach Palma genießen. Das Café wird von einer Gruppe Holländer gestürmt die erst mal alles umräumen und mir dann mitteilen, dass man hier nur sitzen darf, wenn man bereits oben auf dem Berg gewesen ist. Erfreulicherweise bin ich ganz schlagfertig und antworte, dass ich bereits dreimal oben war.

Die Holländer diskutieren nicht weiter. Hätte ja eh auch keinen Sinn. Bis meine Radler wieder zurück sind, kommen noch ein paar Schweizer, eine Gruppe Italiener und eine weitere Gruppe Holländer. Die Außenfläche des Restaurants wird mehrfach extrem umgeräumt und ich erlebe einige Schichtwechsel, bis der Zeugwart wieder um die Ecke biegt und von einem tollen Ausblick berichtet. Ich bin traurig, dass ich mich gegen den Aufstieg entschieden habe. Mit vielen Pausen hätte ich es bestimmt geschafft. So höre ich die Berggeschichten an und freue mich über die Gipfelfotos. Wunderbar war es oben.

Rennbahn

Auf dem Rückweg genieße ich die vielen Berg runter Etappen, mit denen ich verständlicherweise viel besser zurecht komme, als Berg hoch. Das Navi führt uns grandios und ich komme auch ganz prima damit zurecht. Wir machen noch einen Zwischenstop in Sineu an der Radrennbahn, weil das schon etwas Besonderes ist und Lovis auf jeden Fall mal in den Genuss kommen muß. Irgendwie durchläuft diese Radrennbahn ja jeder, der hier mal im Trainingslager war. Ich glaube, die Mallorquiner haben die Radrennbahn ausschließlich aus diesem Grund gebaut.

Mallorca 2018

Von Sineu haben wir es auch nicht mehr weit bis heim. Auf der Ebene führe ich öfter mal die Gruppe an, weil ich da gut Druck aufbauen kann. Faszinierend. Am letzten Kreisel vor dem Fincaort kommt uns ein Triathlet entgegen. Der fährt zwar Rennrad, aber ich sehe an der Art, wie er fährt, was er anhat und wie ambitioniert er unterwegs ist, dass es ein Triathlet sein muß. Im Kreisel bin ich sicher, dass er bestimmt unsere Richtung fährt und nehme mir vor, dass er, wenn er tatsächlich auch hier lang fährt, erst mal nicht wegkommt. Ich werde mich dran hängen. Und zack, da ist er schon. Ich hänge mich dran und komme auch ganz gut mit, leider nur solange, bis er nach unten greift und sich klein macht. Dann lasse ich nach und er ist weg.

Um die 100km voll zu machen, drehen Kimberly, der pinke Ranger, und Lovis noch eine Runde um die Finca und werden gefeiert, wie es sich gehört, als sie zurück sind. Ich bin ziemlich müde von dieser Ausfahrt, das waren bestimmt die Wellen. Und im Nachhinein bin ich sehr froh, dass ich mir den Tafelberg gespart habe. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge eben.

Clauditries

Clauditries

Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

Meine Kontaktdaten findet Ihr im Impressum!
Clauditries

Letzte Artikel von Clauditries (Alle anzeigen)


Über Clauditries

Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind. Meine Kontaktdaten findet Ihr im Impressum!