Wasserschattennutzbarkeit 2


Nach meiner Odyssee im See am Samstag, wo ich nicht nur nicht voran gekommen bin, sondern auch nicht auf die zweite Runde wollte, weil meine Arme einfach total schwer und unbeweglich waren, bin ich heute skeptisch. Das Schwimmtraining am Dienstag lief gut, aber im Becken ist das ja offenbar etwas anderes, das hab ich ja letzte Woche gemerkt. Wir fahren heute also wieder zur Swimnight und sind gespannt, ob wir in Mitten der sicherlich zahlreichen Triathleten die im Internet bereits angekündigte Prominenz ebenfalls entdecken. Erfreulicherweise ist es aber für gewöhnlich so, dass kurz vor Beginn des Schwimmens prominente Besucher kurz erwähnt und vorgestellt werden, wir sind also auf der sicheren Seite.

Ich ziehe meinen G-Range Anzug heute bedächtiger an, als am Samstag. Meine Haupthoffnung liegt ja darauf, dass der Anzug nicht richtig saß, statt mich darauf einzulassen, dass ich im Freiwasser einfach nicht schwimmen kann. Das wäre ja auch viel schöner und viel leichter zu beheben. Ich zuppel den Anzug also ordentlich zurecht und dann marschieren der Zeugwart und ich etwas früher als sonst ans Ufer, damit ich mich ordentlich wässern kann. Auf den ersten Schritt wirkt der See eiskalt.

Das gibt sich aber flott und so wässere ich den Anzug ordentlich und schwimme auch noch mal bis zur kleinen Boje und zurück, um auch wirklich dafür zu sorgen, dass sich das Wasser ordentlich verteilt. Dann marschiere ich wieder raus, zuppel alles noch mal zurecht und schwinge wie wild mit den Armen. Das fühlt sich total flexibel an und ganz leicht. Ich bin gespannt, ob es sich beim Schwimmen heute auch besser anfühlt. Heute will ich die große Runde schwimmen. Wir stehen noch kurz gemeinsam am See und quatschen ein bisschen. Leia ist da und natürlich Walter Mitty, der trotz seinem Start im Kraichgau weiter trainiert.

Wahrscheinlich, weil er klammheimlich Großes vorhat… die geheime Welt des Walter Mitty eben. Aber das ist ja keine Überraschung. Wie erwartet wird die Prominenz am See kurz vorgestellt, aber überraschenderweise hebt keiner die Hand und von uns Athleten gibt’s auch keine Reaktion. Ich glaube, das war auch schon mal anders, aber gut. Dann gibt’s den Start und die Meute stürmt das Wasser. Ich warte ab, bis ein Großteil der Athleten, und tatsächlich sind es diese Woche sehr sehr viele, vorneweg geschwommen ist und starte dann ebenfalls.

Meine Arme sind leicht und ich kann sie wunderbar bewegen. Ich bin im Nu an der erste Boje, halte dort kurz inne und richte meine Schwimmbrille, in die nämlich Wasser reingelaufen ist, und dann geht’s weiter. Ehe ich ins Wasser bin, habe ich schon ein gutes Stück weit weg zwei Bojen gesehen, die zwei Schwimmer hinter sich herziehen. Eine pinke und eine orange Boje. Ich nehme mir vor zu versuchen, die einzuholen, weil sie nicht besonders schnell aussehen. Und tatsächlich bin ich bis zu meiner Brillenrichtpause schon dran. Da die beiden weiterschwimmen, lege ich einen erneuten Sprint ein, und bin noch vor Erreichen der zweiten Boje wieder dran.

Und schwimme vorbei. Immerhin sind meine Arme weiterhin beweglich und leicht, ich habe viel Kraft und schiebe mich regelrecht durch das Wasser. Bis zur dritten Boje sehe ich die zwei noch hinter mir, wenn ich atme, dann gerate ich an eine engagierte Schwimmergruppe, die richtig Blasen verursachen und mich regelrecht aufschwimmen lassen. Ich schwimme vorbei und die Bojen sind weg. Wie beschleunigt bin ich jetzt schon an der Boje, die ich bei der kleinen Runde ansteuere um dann wieder zum Ufer abzubiegen, und von da ist es wirklich nicht mehr weit.

Kurz vor dem Ufer holt mich ein Torpedo ein. Der Herr schwimmt wahnsinnig schnell und ich versuche einfach dranzubleiben und schaffe es tatsächlich ein paar Züge aufzuspringen. Aber anscheinend findet er das ziemlich uncool, zieht dreimal kräftig durch, und ist weg. Also ich sehe ihn noch vor mir, aber komme nicht mehr richtig wasserschattennutzbar dran. Da wir aber schon am Ufer sind, passt das schon. Ich bin trotzdem großartig geschwommen, auch wenn ich dem Torpedo nicht vollumfänglich folgen konnte.

Es liegt also doch hauptsächlich am richtigen Sitz des Neoprenanzugs… und natürlich auch ein bisschen an der Tagesform. Aber wenn man den Neo nicht richtig anzieht oder in meinem Fall nicht genug zurecht zuppelt, dann kann er eben auch blockieren, statt zu unterstützen. Ich bin auf jeden Fall richtig froh, dass ich offensichtlich doch schwimmen kann. Auch draußen. Als ich heute bei der Pizzeria anrufe, weil der Pizzamann gleich, was ich essen möchte und auch, dass ich es bei ihm essen werde. Er freut sich schon mich zu sehen, sagt er. Wer hätte das gedacht? Der Pizzamann und ich also.

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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2 Gedanken zu “Wasserschattennutzbarkeit

  • Helge Orlt

    Liebe Claudi,
    ja, genau deshalb schwimme ich wann immer es geht im Freiwasser ohne Neo. :-)
    Aber wenn man ihn als Kälteschutz braucht, dann muss man ihn tragen. Ich schwimme meistens mit neo auch wesentlich schlechter als ohne.
    Aber gut, das du dir beweisen konntest, das du auch außerhalb eines Beckens gut schwimmen kannst :-)
    Liebe Grüße
    Helge

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