Ein Roadsurfer Abenteuer


Um die zweite Urlaubswoche noch auszunutzen, ohne großartig etwas zu planen oder zu organisieren, haben der Zeugwart und ich uns dazu entschieden einen Camper Van zu mieten. Bei Roadsurfer.de geht das tatsächlich total unkompliziert und so haben wir vor ein paar Wochen einen VW Bulli California reserviert, den ich in Frankfurt am Dienstag abholen konnte. Im Vorhinein habe ich auch ein paar Mal mit der Roadsurfer Hotline gesprochen, weil campererfahrene Freunde noch den ein oder anderen Hinweis hatten und ich dann noch ein paar Fragen klären wollte.

Der Kontakt war jedes Mal ziemlich locker und hilfreich und das hat sich auch in der Abholung am Dienstag fortgesetzt. Während der Zeugwart am Dienstag noch gearbeitet hat, habe ich den Camper also nicht nur abgeholt, sondern auch entsprechend gefüllt und durchsortiert. Zumindest so, wie ich dachte, dass es klug ist. Eine Küchenkiste ist vom Anbieter gleich mit dabei, die habe ich allerdings ergänzt und aussortiert. Weil wir z.B. kein Kindergeschirr benötigen.

Tatsächlich hat es sich über die Tage nicht als ganz blöde Füllung herausgestellt, alle Tipps von Camper erfahrenen Freunden habe ich also gut umgesetzt, und so sind der Zeugwart und ich am Dienstag einfach losgefahren, mit einer groben Richtung im Gepäck. Wir wollen ins Rheintal und dann dann auf einen der 10 schönsten Campingplätze Europas (laut der Zeitschrift Geo) an die Mosel und dann? Wissen wir noch nicht.

Das ist wirklich vollkommen ungewöhnlich für uns.

Wir planen eigentlich immer im Voraus. Normalerweise fahren wir auch in ein Hotel und wissen auch dort bereits im Vorhinein recht genau, was auf uns zukommen wird, bzw. wie der Urlaub ablaufen soll. Entweder wir tauchen, oder wir machen ein Trainingslager für alle drei oder nur eine der Triathlondisziplinen, oder wir entspannen am Meer, oder es steht ein Roadtrip an, dessen Route wir bereits Wochen, manchmal sogar Monate im Voraus festlegen. Einfach losfahren ist noch nie passiert.

Es fühlt sich nicht schlecht an und so sind wir also unterwegs, etwas Neues zu entdecken. Die Klamotten sind -hoffentlich- Camper freundlich ausgewählt und wir haben sogar unsere Gummistiefel dabei, denn das Wetter in dieser Woche soll, im Gegensatz zur letzten Woche, die ja mit Sonnenschein nur so angegeben hat, nicht ganz so gut werden. Wir starten am späten Dienstag Nachmittag und fahren bis zum Rhein. Das ist aus dem Frankfurter Raum wirklich nicht weit, aber wir glauben, es ist klug den ersten Übernachtungsort noch im Hellen zu erreichen, damit wir den Camper entsprechend herrichten können, wenn man noch etwas sieht. Natürlich haben wir Taschen- und Kopflampen dabei, aber wahrscheinlich ist es ohne Zusatzlampen einfacher.

Der erste Campingplatz liegt direkt am Rhein, die Begrüßung ist herzlich, die Erklärung für Neulinge, wie uns, absolut perfekt und so verbringen wir die erste Nacht mit einigen Eingewöhnungsunterbrechnungen und stehen am nächsten Morgen mit allen anderen Campingplatzbewohnern auf. Da wir sehr mittig stehen, läuft praktisch jeder, auf dem Weg zum Brötchen holen oder zum Waschhaus an unserem Gefährt vorbei und wir frühstücken praktisch mit Kino. Sehr interessant alles. Wir haben extra Jogginghose und Pulli mitgenommen, um nicht im Schlafanzug über den Platz zur Toilette laufen zu müssen, aber hier spazieren auch Camperkollegen im Morgenmantel oder gleich im Schlafanzug vorbei.

Wir erkunden das Rheintal, erwandern das Niederwalddenkmal und dann verschlägt es uns an die Mosel, wo wir in einem der vielen beschaulichen Moseldörfer einen tollen Campingplatz finden, der uns auch noch direkt am Wasser schlafen lässt. Bis die Sonne untergeht schauen wir auf das Wasser. Ab und an kommt mal ein Flußkreuzfahrtschiff vorbei gefahren, auf der anderen Moselseite fährt mal ein Auto vorbei, ansonsten schauen wir den Enten und Schwänen zu und betrachten die Weinberge. Hier schlafen wir bei absoluter Ruhe in unserem Bulli und haben am nächsten Tag, als wir irgendwann aufwachen, den unverbauten Blick auf die Mosel. Frühstück im Camper ist ganz wunderbar idyllisch.

Die nächste Station unserer Reise ist Saarbrücken. Hier waren wir noch nie und weil wir ja nichts geplant haben, wollen wir die Freiheit einfach ausnutzen und mal schauen, wie es uns in Saarbrücken gefällt und dann nach einem Stellplatz gucken. Mit unserem Bulli können wir auch autark stehen, wenn wir das wollen würden und tatsächlich bin ich tiefenentspannt, als wir durch Saarbrücken schlendern und feststellen, dass wir hier auf gar keinen Fall länger als nötig bleiben möchten. Ich mag die Stadt gar nicht und wir wollen so schnell wir können wieder weg.

Nicht weit entfernt gibt’s einen kleinen Campingplatz mit nur 15 Stellplätzen und so rufe ich dort an und erfahre, dass es heute Nacht kein Problem ist, den Bulli abzustellen und wir herzlich willkommen sind. Campingplätze und ihre Besitzer haben einen ganz eigenen Charme und dieser hier ganz besonders. Der ältere Herr zeigt uns alles und dann stehen wir, einsam und verlassen, in mitten einer Wiese, direkt am Waldrand auf einem geschotterten Bereich, und sind ganz für uns. Abendessen machen wir im Camper, weil es im Ort, der aber noch ein gutes Stück entfernt ist, auch keine Gaststätte gibt, die uns heute verköstigen würde.

Campen im Bullibus ist wirklich ein Abenteuer und ich bin froh, dass der Zeugwart auf diese Idee kam und wir das mal ausprobiert haben. Statt alles durchzuplanen, kann man auf diese Art und Weise (und wahrscheinlich zu dieser Jahreszeit) so vollkommen frei dahin fahren, wo es einen so hintreibt. Entweder der Sonne nach, oder dem Abenteuer. Man muß nichts planen, sich nicht großartig schick machen, um zum Essen zu gehen und selbst der kleine, einsame Campingplatz hatte so saubere Sanitäre Anlagen, dass sie jedem Hotelstandard genügen.

Klar, man muß im Ernstfall selbst kochen und sich auch sein Frühstück selbst machen. Man hat keine Hotelspeisenauswahl, dafür steht auch kein nerviger Miturlauber am Buffett und tascht alles an oder niest erst mal beherzt auf den Käse. Keiner blockiert die Kaffeemaschine und man kann selbst entscheiden, ob man bis um 10h schläft oder bis um 9h und wird nicht von einer Frühstückszeit gesteuert. Einfach mal total abschalten hat für mich gut funktioniert, auch wenn ich wirklich skeptisch war.

Die Miete bei Roadsurfer war unkompliziert und die Einweisung kurz und passend. Die Rückgabe verlief ebenfalls einfach und schnell und unser Bulli ist ab heute dann sogar wieder auf Reisen. Weil er einfach nicht genug bekommen kann. Wir sind uns fast sicher, dass wir den Bulli, oder eines der anderen Roadsurfer Campergefährten, noch mal mieten um das „Vanlife“ noch mal länger auszuprobieren. In der heutigen Welt, wo alles ganz klar gesteuert und durchgetaktet ist, war das eine wirklich sehr willkommene Freiheit, die wir genossen haben.

Damit auch hier alles klar ist und keine Spekulationen aufkommen: Wir haben den Camper auf eigene Faust gemietet und natürlich auch bezahlt. Die Plattform, bzw. das Unternehmen Roadsurfer arbeitet nicht mit mir und dem Blog zusammen und wir haben keine Sonderbehandlung oder ein spezielles Preisgefüge erhalten.

Clauditries

Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Über Clauditries

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