Was wir lernen können 2


Da sich der Zeugwart bei uns nicht nur um’s Zeug sondern auch um alle sonst noch wissenswerten Dinge kümmert, haben wir heute Abend was vor. Im Dorint am Main Taunus Zentrum gibt es eine interessante Veranstaltung zum Thema: „Radsport, was Amateure von Profis lernen können“ und mit Anmeldung ist die Teilnahme kostenfrei. Natürlich kriegen wir überraschend die Kurve und melden uns an, zeitnah und passend, so dass wir heute Abend tatsächlich vorgemerkt sind und uns auf eine interessante Runde freuen.

Das Podium besteht aus den Herren Wegmann, Moos-Achenbach, Angermann, Hake und Naß und ich bin ehrlich, nur ein paar von ihnen, sind mir wirklich ein Begriff. Beim Zeugwart sieht das allerdings ganz anders aus. Der kennt sie praktisch alle.

Die Stimme der Tour de France, Klaus Angermann, erkennt der Zeugwart sofort wieder… lange Jahre hat ihn Herr Angermann durch das schöne Frankreich begleitet, wie könnte man diese Stimme vergessen? Auch die Stimme des Herrn Florian Naß erkennt der Zeugwart. Herr Naß hat die Tour de France nämlich in diesem Jahr bei der ARD moderiert. Ich habe auch geschaut… allerdings offenbar ohne zuzuhören. Schande über meine Ohren. Herr Moos-Achenbach ist der Veranstalter des Frankfurter Radrennens vom 1. Mai, das in meiner Welt irgendwie noch immer Henniger Turm Rennen heißt, obwohl es den mittlerweile schon gar nicht mehr gibt. Jetzt heißt es Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt und Herr Moos-Achenbach ist mir aus der Fernsehberichterstattung von diesem Jahr, als das Radrennen wegen ein paar Verrückten abgesagt wurde, wohl bekannt. Der sicherlich jüngste in der Runde ist Fabian Wegmann, deutscher Profi-Radrennfahrer, dreifacher Deutscher Meister im Straßenrennen (2007, 2008, 2012) und siebenfacher Tour der France Teilnehmer. Also das ist doch der Knaller. Sitzt mir da ein wahrhaftiger Tour de France Teilnehmer gegenüber… ich fasse es kaum. Vielleicht kann ich später noch ein Bild mit ihm ergattern? Das Podium wird durch Herrn Dr. Med. Harald Hake komplettiert. Er ist Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie Schwerpunkt Unfallchirurgie und Sporttraumatologie des Klinikums Frankfurt Höchst sowie Betreuer verschiedener Sportmannschaften und sofort habe ich den Eindruck, er hätte mir mit meinem Knie nach dem Unfall sicherlich sofort besser helfen können, als die Orthopäden, bei denen ich gewesen bin. Aber hinterher ist man ja bekanntlich immer schlauer.

Wir sind gespannt...

Wir sind gespannt…

Durch den Abend führt Herr Naß und er brilliert nicht nur durch seine tollen Fragen oder dadurch, dass er keinem ins Wort fällt und jeden der anwesenden Herren immer entsprechend einbindet, er hat auch ein wunderbares Timing und ein super Gefühl für die aktuelle Situation. Wahnsinn. Ich bin schlichtweg total begeistert, wie er das so macht und würde mir viele Nachahmer wünschen. Leider gibt es anscheinend -wie so oft- immer mehr Leute, die es nicht drauf haben, als Leute wie Herrn Naß. Aber so ist das nun mal. Ich freue mich auf jeden Fall diebisch über die gute Moderation und darüber, dass tatsächlich jeder der Herren uns heute etwas aus seinem ganz persönlichen Nähkästchen erzählen kann.

Geschichten aus dem Nähkästchen

Geschichten aus dem Nähkästchen

So nimmt uns Klaus Angermann gleich mehr als einmal mit nach Frankreich zu Tour de France Zeiten. Zum Journalistenpicknick, dass damals noch möglich gewesen ist. Damals, als die Tour noch von einer gewissen Romantik geprägt war und die Fahrer noch nicht mit Bussen und unerträglich langen Transfers von den Etappenzielen abgeholt wurden. Damals, als keine 2.000 Journalisten akkreditiert wurden, sondern als sich fast alle noch kannten. Die Tour sei groß geworden, aus seinen Zeiten herausgewachsen, sagt er. Mit einem lachenden, aber auch einem weinenden Auge, wie es mir scheint. Fabian Wegmann erzählt von den Knöpfen im Ohr und den Windkanten, den Anweisungen des sportlichen Leiters und seiner nur knapp 4 Wochen andauernden Off-season in der er trotzdem auf dem Rad unterwegs ist. Allerdings auf dem MTB und mit Freunden. Sehr sympathisch. Wahrscheinlich, sind seine Freunde froh, wenn er wieder trainiert und sie nicht mehr über die Felder und Wälder hetzt? Harald Hake bittet uns inständig stets mit Helm zu trainieren. Die Profis seien hier ein wahnsinnig gutes Vorbild und ohne  Helm unterwegs zu sein, sollten wir im Eigeninteresse sein lassen. Mir braucht er da nichts zu erzählen… mir ist das klar. Und wenn mal ein Unfall passiert, oder eine Verletzung auftritt, so sind wir bei Herrn Dr. Med. Hake alle stets herzlich willkommen. Das ist doch mal ein Wort.

Besonders schön finde ich die Nähkästchenplauderei von Herrn Moos-Achenbach. Wie seine Mutter früher das Bargeld für die Profis in einer Plastiktüte durch Frankfurt getragen hat, weil sein Vater die Profis in Etappen ausgezahlt hat, und wie er oft mit den Sicherheitskräften am Renntag oder in der Vorbereitung zusammensitzt und wie das früher gewesen ist. Auch hier scheint früher mehr Romantik am Start gewesen zu sein, als heute. Da gab es aber auch weniger Bombenleger, die ein Radrennen angreifen wollten, nehme ich an. In der Wohnstube hat der Vater früher mit den Sicherheitskräften gesprochen, bei Blutwurst und Wasserweck wurde festgelegt, dass „wir auch nächstes Jahr wieder fahren“ und schon war alles geritzt. Heute werden Sicherheitskonzepte und Pläne ausgearbeitet und langfristig genehmigt. Die Zeiten ändern sich eben.

Was sich genau hinter dem Titel der Veranstaltung verbirgt, finde ich bis zur letzten Zuschauerfrage übrigens nicht wirklich raus. Es ist mir aber auch nicht so wichtig, denn egal, ob ich etwas von Profis lernen kann, soll oder müsste, diesen Erzählungen zu lauschen hat sich auf jeden Fall gelohnt. Und dass eine Leistungsdiagnostik sinnvoll ist, das Tragen eines Helmes ebenfalls und dass Dehnen und Athletiktraining dazu gehören sollten, ist zwar richtig, aber auch kein neu erfundenes Rad, auf das es sich lohnt aufzuspringen.

Danke an das Gesundheitsnetzwerk Rhein-Main für die Möglichkeit zur kostenfreien Teilnahme! Uns hat es wirklich überragend gut gefallen!

mit Fabian Wegmann, 7 maliger Tour de France Mitfahrer

links: Fabian Wegmann, 7 maliger Tour de France Mitfahrer

Und netterweise hat sich Fabian Wegmann dann auch noch kurz für das Foto Zeit genommen. Was ein netter, sympathischer Typ!

 

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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2 Gedanken zu “Was wir lernen können

  • Helge Orlt

    Liebe Claudi,
    gut, das du auf dem letzten Bild dazu geschrieben hast auf welcher Bildseite sich Fabian Wegmann befindet :-))))
    Ich kann mir gut vorstellen, das diese Runde sehr interessant war. Ich war ja mal der große Radsportfan. Allerdings ist das etwas abgeflacht mit den ganzen Skandalen.
    Aber die Tour schaue ich nach wie vor.
    Liebe Grüße
    Helge