Irma’s Wellen 2


Während der Zeugwart die frühen Tagesstunden dazu nutzt die Gegend per Laufschuh zu erkunden, versuche ich mich heute mal im Stand up Paddling. Gestern Nachmittag haben die Trainer empfohlen, doch heute früh wieder zu kommen, früh ist die See nämlich flach und ich habe nicht so viel damit zu tun auszubalancieren. Als ich heute ans Meer komme, sieht es für mich alles andere als flach aus.

Club Med Cancun

Wenn ich mir das Bild jetzt so ansehe muß ich allerdings zugeben, dass es hier sehr wohl flach aussieht. Aber so war es eben leider nicht. Als ich zum Deck komme, empfängt mich der Trainer auch gleich mit dieser Erkenntnis. Das Meer ist nie so, sagt er und dass ich es ja trotzdem probieren kann. Aber dass es schwer wird. Schwerer, als normalerweise, wenn das Meer morgens glatt ist.

Am Horizont türmen sich große, mächtige Wellen. Erfreulicherweise gibt es bis hier her ein paar Riffs, an denen sie sich brechen können, so dass es zwar ordentlich wellig ist, aber nicht mit großen Brechern, wie auf den Kapverden. Es schwappt mehr, leider vor allem unregelmäßig. Obwohl ich jetzt nicht spontan sagen könnte, dass es mir leichter fallen würde, wenn es regelmäßig schwappen würde. Ich blicke auf das Meer hinaus und denke daran, wie ruhig und flach es noch gestern am späten Nachmittag war. Da sind der Zeugwart und ich nämlich mit dem Kajak unterwegs gewesen.

SUP Mexiko Cancun Yucatan

Heute sieht die Welt anders aus. Ich steige auf das  Board und knie mich erst mal hin. Der Trainer findet auch, dass es ganz schön schaukelig ist und nach Anweisung paddle ich ein paar Runden um die festgemachten Kajaks. Am Riff brechen sich die Wellen und das Getöse ist erschreckend und beeindruckend zugleich. Das sind die Ausläufer von Hurrikan Irma, die weiterhin auf Florida zueilt, aber die Marschroute etwas geändert hat. Statt nämlich jetzt an der Ostküste, also über Miami nach Norden zu wandern, hat sie sich nun die Westküste am Golf von Mexiko vorgenommen. Und die Wellen, die sie dabei auftürmt, die schwappen eben auch an diese Küste.

Da ich auf dem Board knien muß und mir das, seit meinem Unfall vom November 2013, noch immer weh tut, versuche ich einfach mal aufzustehen. Der Trainer sagte mir schon gestern, dass er da eigentlich nicht viel für mich tun könnte… entweder ich kann es, oder eben nicht. So kann man sich ja vieles einfach reden, aber wahrscheinlich hat er beim SUP (Stand up Paddling) tatsächlich recht. Wenn man eine gute Balance hat, dann steht man eben und paddelt. Wenn man keine gute Balance hat, dann fällt man ins Wasser, oder setzt sich wieder hin, oder verliert das Paddel, oder rutscht weg oder, oder, oder. Die Balance ist der Schlüssel.

Um es kurz zu machen, Balance habe ich anscheinend nicht ganz so viel. Ins Wasser falle ich aber auch nicht. Ich paddle also im knien weiter. Aber lange kann ich das nicht machen. Die Übung ist unheimlich schwierig für meine Oberschenkel. Ich dachte eigentlich, die seien ganz gut trainiert, weil ich halt einfach gar keine Ahnung und ein total falsches Selbstbild habe. Wahrscheinlich sind sie in Wirklichkeit unheimlich weit entfernt davon, überhaupt trainiert zu sein, von gut mal ganz abgesehen?!

Der Zeugwart, der mittlerweile zurück vom Laufen ist, übernimmt das Board und schafft es tatsächlich innerhalb von kürzester Zeit im Stehen richtig vorwärts zu kommen. Wir können seine Fähigkeiten zwar auch noch getrost als Ausbaufähig bezeichnen, aber gegenüber meiner Rumhampelei, kann man beim Zeugwart tatsächlich von einer weit fortgeschrittenen Fähigkeit im SUP schreiben. Wieso fliegt ihm sowas zu, wohingegen ich rumkrebse und nichts zu Stande bringe?

Da Irma heute das Meer ordentlich aufmischt, verzichten wir auf eine weitere Runde Schwimmen im Meer und begnügen uns statt dessen mit dem Schwimmen im Pool. Leider muß ich feststellen, dass mein Bikini sich zwar ganz hervorragend dazu eignet einen Schirmchendrink mit Blick aufs Meer zu trinken, oder galant meinen dicken Ferienwälzer umzublättern, aber für wirkliches Schwimmen im Pool ist er nicht geeignet. Zwar verliere ich ihn nicht, aber es fehlt nicht viel. Meine Schwimmbeschleunigung ist einfach zu viel für den Bikini. Wahrscheinlich wurden deshalb Badeanzug und Sportbikini erfunden? Und ich hatte schon überlegt, warum es wohl Sportbikinis gibt…

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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2 Gedanken zu “Irma’s Wellen

  • Helge Orlt

    Liebe Claudi,
    sehr beruhigend zu wissen, das ihr nur ein paar leichte Wellen von Irma abbekommen habt.
    Und mach dir nix drauß: dieses SUP würde mir auch nicht liegen. Der Zeugwart ist halt dort etwas talentierter als du, aber mal ehrlich, kann er genau so schöne und unterhaltsame Berichte wie du schreiben? 🙂
    Jeder hat wohl seine Talente.
    Und vielleicht brauchst du auch nur länger.
    Warte mal ab 🙂
    Hauptsache ihr habt es genossen.
    Liebe Grüße
    Helge