Irgendwie kann man hier auf Big Island ja immer von einer Straße abbiegen und findet einen Strand. Manchmal muß man etwas weiter laufen, aber so vom Grundsatz her, gibt es auf Hawaii, also auf der größten Insel des Bundesstaates, immer eine kurzfristige Zufahrt zu einem Strand und praktisch jeder davon ist sehenswert, kaum bevölkert und richtig schön. Meist gibt’s viele Bäume, die Schatten spenden, auch wenn man keinen Sonnenschirm dabei hat, und ganz oft gibt es auch viel zu beobachten und anzusehen.

Der Zeugwart und ich fahren in diesem Urlaub Jeep Wrangler. Eigentlich zweitürig, aber weil davon bei der Abholung vom Flughafen keine mehr vorhanden waren, ohne Aufpreis viertürig. Zwei Türen hätten auch gereicht, aber vier sind natürlich auch ziemlich cool. Vor allem, weil der Herr bei der Abholung uns noch 10$ extra pro Tag dafür berechnen wollte, wir aber dankend abgelehnt haben und trotzdem viertürig vom Hof gefahren sind. Ich glaube auch ehrlich gesagt, die haben gar keine zweitürigen hier am Flughafen gehabt. Zumindest fährt kaum einer rum. Viertürige Jeeps dagegen sehen wir ständig und ich grüße alle. Wir Jeepfahrer halten eben zusammen.

Im Norden, an der Radstrecke nach Hawi gibt’s einen schönen Strand, der sich Waikoloa nennt. Natürlich mit einem Ferienresort, weil das praktisch immer so ist und sogar mit einer Einkaufsmall und einem Beachclub. Und trotzdem ziemlich einsam, fast verlassen und ein Refugium für Schildkröten. Wir machen hier nicht nur ausgiebig Pause, sondern ich kümmere mich auch um mein Freiwassertraining, das die Chefin mir in meinen Trainingsplan geschrieben hat. Ich huste zwar immer noch, aber schwimmen passt schon, zumal der Pazifik ziemlich warm und die Außentemperatur regelrecht heiß ist. Mit kaum Wind bin ich in der Sonne schon trocken, auch wenn ich das Handtuch, was nur wenige Meter von der Wasserkante entfernt liegt, noch gar nicht erreicht habe.

Wir schwimmen, was das Meer hergibt und haben gegenüber den eigentlichen Herrschern des Ozeans keinerlei Chance. Jeder noch so kleine, bunte Fisch, ist viel schneller als ich. Schneller versteckt, schneller weg und schneller um die Steine. Und ich kann das beurteilen, weil die Sicht glasklar ist. Zusätzlich finde ich mich, mit Hilfe der Wellen schon flotter, als sonst. Aber kein Vergleich zu den Fischen hier. Und absolut kein Vergleich zu den Schildkröten, die einfach weg schwimmen, wenn wir ihnen zu viel werden.

Anscheinend nerven wir sie aber nicht so sehr, dass sie uns komplett meiden wollen, denn vollkommen unbeeindruckt von uns und von einer Ukulelespielerin auf einem Handtuch, schiebt sich dieses Exemplar in Richtung Handtuch und lässt sich dabei auch wirklich gar nicht stören. Total beeindruckend und extrem entschleunigend. Hetze kennt eine Schildkröte ganz offensichtlich nicht. Sie schläft friedlich ein, während wir am Strand noch etwas spazieren gehen und als wir zurück sind, legt die Ukulelespielerin wieder los und die Schildkröte, die offenbar ein ganz gutes Gehört hat, öffnet wieder ihre Augen.

Nachdem wir uns wieder in Straßentaugliche Klamotten geworfen haben, obwohl diese Ansicht ja sehr breit gefächert sein kann, fahren wir zurück nach Kona. Immer auf der Radstrecke der Weltmeisterschaft entlang, es gibt nämlich schlichtweg keine andere Strasse. Wenn uns ein Radfahrer begegnet sind wir ehrfürchtig, denn es ist immer noch heiß und ziemlich sportunfreundlich hier.

Aber im Training für die Ironman Weltmeisterschaft nehmen diese Athleten anscheinend jede Anstrengung auf sich? Oder für sie ist das gar keine Anstrengung, das kann natürlich auch der Fall sein. Ist wohl auch viel wahrscheinlicher. Diese Menschen sind einfach irre gut trainiert und deshalb macht ihnen der heiße Fön, der ihnen hier auf dem Rad konsequent entgegenpustet auch gar nichts aus. Respekt.