Laufende Gedankenpost


Nach der geschäftigen letzten Woche mit vielen Erlebnissen und einem guten, schwimmerischen, Abschluß, habe ich mir gestern einen Ruhetag gegönnt. Da ich morgens beim Arzt war und dann lange arbeiten musste, gab es sowieso keine Möglichkeit sportlich zu sein, wie passend also. Heute morgen will ich eine Runde laufen gehen. Es ist eiskalt heute früh und stockdunkel. Und ich renne als erstes mal ohne Handschuhe und ohne Lampe raus. Also wieder rein und noch mal von vorne.

Die Lampe beleuchtet heute vor allem den Nebel, der vom Feld ins Dorf hineinzieht und sorgt heute mehr dafür, dass ich gesehen werde, als dass ich tatsächlich etwas sehe. Aber das paßt auch ganz gut. Im dunklen kann man gut nachdenken und danach ist mir in der letzten Zeit wirklich vermehr zu Mute. Nachdenken über das „was wäre wenn“ steht derzeit bei mir hoch im Kurs. Dass das Leben endlich ist, habe ich gerade mal wieder mehr als deutlich vor Augen geführt bekommen.

Einschläge kommen näher, das Alter rückt stetig voran und ich bin jetzt einfach da, wo viele Freunde Kinder haben und viele Großeltern bereits gestorben sind und die nächsten in der Reihe dann eben die eigenen Eltern sind. Ob erwachsen oder nicht, Eltern bleiben Eltern und wenn jemand einen praktisch das ganze Leben begleitet hat, braucht man oft keine Blutsverwandtschaft um eine innige Beziehung zu der Person zu haben. Manchmal gibt es wichtige zusätzliche Bezugspersonen, die einfach, wie die eigenen Eltern, immer da waren. Wie die Eltern meiner Kindergartenfreundin, die auch heute noch einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben ist. Ihre Eltern waren immer da.

Mein ganzes Leben lang.

Und dann kommt ein Anruf oder eine SMS und von einer Sekunde auf die andere ist alles anders. Ein Herzinfarkt und ein daraus resultierender Autounfall, viele hilfsbereite und versierte Ersthelfer mit gutem Timing, die das Wohl der Verunfallten an die erste Stelle gesetzt haben und man selbst ist einfach nur machtlos. Das Krankenhaus braucht keine Hilfe, die direkten Angehörigen sind mit sich selbst und mit dem abwickeln der notwendigen Sachen beschäftigt und abgelenkt, und ich, die nicht richtig dazugehört kann nichts tun. Nichts, außer da zu sein, falls man mich braucht und immer mal nachfragen, ob es etwas neues gibt.

Ich bin machtlos.

Das bin ich oft. Machtlos meine eigene Genesung nennenswert zu beschleunigen, machtlos einen Unfall zu verhindern und nun auch noch machtlos zu helfen. Ein morgendlicher Lauf, wie der heutige hilft mir dabei immer mal wieder zum Wesentlichen zurück zu kehren. Erinnerungen an meine längst verstorbene Großeltern sind beim Laufen ebenso immer mal zu Gast, wie heute ein paar Gedanken an den gerade erst passierten Unfall. Wie sind die Aussichten, dass es danach so weitergeht, wie vorher? Ein schwerer Herzinfarkt, das kann alles heißen und gar nichts. Die Genesung kann schnell gehen, oder eine gefühlte Ewigkeit dauern. Und die Machtlosigkeit bleibt. Weil der Körper selbst bestimmt, wann und wie er heilen kann und seine vorhandenen Möglichkeiten ausschöpft. Ich hoffe, sehr, dass alles gut wird.

Was auch immer gut in diesem Zusammenhang heißen mag. Vor allem aber, wird mir an Tagen wie dem heutigen immer wieder auf’s neue klar, wie wichtig es ist über bestimmte Situation schon nachzudenken, wenn alles in Ordnung ist. Eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht braucht man unbedingt. Egal in welchem Alter. Aber die wenigstens wollen dann, wenn alles ok ist, darüber nachdenken, was passieren kann oder soll, wenn man nicht mehr selbst entscheiden kann. Das sind ja auch keine schönen Gedanken. Aber trotzdem muß man unbedingt rechtzeitig die Kurve kriegen.

Nebel

Ich schaffe heute keine große Runde, die Arbeitswochen sind anstrengend und die Sorgen zehren ebenfalls Kräfte, die dann nicht mehr zum Laufen zur Verfügung stehen. Mein kleiner Mikrokosmos wurde erschüttert, ohne dass ich dagegen was tun konnte. Ich starte heute etwas verspätet in den Arbeitstag und bin froh, dass ich eine Runde draußen war. Und ich habe ein paar positive Gedanken in Richtung Krankenhaus geschickt, in der Hoffnung, dass so eine Gedankenpost irgendeine hilfreiche Wirkung hat.

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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