Wir fahren hoch!


Seit dem Krankenhausaufenthalt sind ein paar Tage vergangen. Der Zeugwart und ich haben einmal das Pflaster der Halswunde gewechselt und die Voraussagen des Arztes, dass ich am Samstag gut Grind drüber habe und deshalb ab Sonntag auch sporteln und duschen könnte, bestätigt. Der kennt sich halt einfach aus. Offensichtlich. Wir verabreden uns zu einer Inhalationstestfahrt mit den Männern aus der Sonntagsradelgruppe. Die Männer sind allesamt topfit, gut trainiert und niemals müde. Wir sind früher regelmäßig mit ihnen geradelt, aber seit dem ich so kurzatmig war, also seit zwei Jahren, nicht mehr.

Heute wollen wir einfach mal ausprobieren, wie es mit der Luft denn so ist und ob die Inhalation irgend eine Veränderung mit sich bringt. Heute früh bin ich etwas zittrig, aber nur rund eine Stunde, dann legt sich das Muskelzucken wieder. Diese Reaktion hatte ich seit Beginn der Inhalation noch nicht, es könnte aber auch davon kommen, dass ich aufgeregt bin und nicht wirklich was mit dem Inhalieren zu tun haben? Ich mache mir eine Notiz über Zeit und Dauer, sowie die Art und Weise, wie es sich anfühlt. Dann weiß ich, wenn es noch mal auftritt, dass ich das schon mal hatte. Wir treffen uns mit den Männern um 9h, und weil der Zeugwart neue Felgen fährt, gehen wir etwas früher runter und er prüft, ob er die Schaltung neu einstellen muß.

Muss er nicht, weil er es von vornherein richtig gut gemacht hat. Also rollen wir langsam zum Treffpunkt, machen noch ein kurzes Erinnerungsbild, weil ich jetzt bald endgültig aus den 30er Jahren verschwinde und die Altersklasse wechsel und warten auf die Männer.

Die lassen nicht allzu lange auf sich warten, und nach einem kurzen Felgenlob geht’s dann auch schon durch den Wald in Richtung Main und auf direktem Weg in den Spessart. Die ersten Kilometer sind weitestgehend flach. Ab und an müssen wir mal über eine Bundesstrasse oder eine Bahntrasse und fahren deshalb eine Brücke hoch, aber alle anderen Passagen rollen prima. Erstaunlicherweise rollt es auch die Brückenanstiege bei mir famos. Ich schalte, trete und komme nicht außer Atem. Ich hätte nicht gedacht, dass die letzten Monate seit dem Start des Rookieprojekts sich doch so viel Kondition aufgebaut hat.

Oxis

Meine Kurzatmigkeit erlebe ich auf der Anfahrt zum Spessart kein eines Mal. Die langen Geraden fahre ich deutlich locker, mit herrlicher Trittfrequenz und ohne aus der Puste zu kommen. Auch dabei unterhalten ist kein Problem. Bis zum Zauberbrunnen geht alles ganz prima und ich bin mir mittlerweile sicher, dass ich den Aufstieg unbedingt probieren möchte. Wenn die Kurzatmigkeit zurück kommt, oder ich nicht mehr kann, weil ich doch nicht so gut trainiert bin, wie es jetzt scheint, dann kann ich ja immer noch umdrehen und nicht hochfahren. Als wir am Zauberbrunnen sind, fragen die Männer den Sachstand ab und ich teile mit, dass wir gleich weiter fahren können. Hoch.

Wo wir schon mal da sind quasi. Ich bin anfangs etwas gestresst und mache deshalb noch eine Findungspause. Es wäre beknackt und zusätzlich unmöglich an den Männern dran zu bleiben. Also lasse ich ein paar Minuten vergehen, trinke noch mal ordentlich und fahre dann in aller Ruhe, ohne Atemnot, ohne Pause und ohne andere Probleme einfach den ganzen Berg am Stück hinauf. Zwischendurch horche ich immer in mich rein, weil ich denke, dass ich vielleicht etwas zu euphorisch bin und etwas übersehe oder überspüre. Aber das tue ich nicht.

Ich fahre einfach hoch. Klar ist es anstrengend und ich bin beidseitig eingeklickt und pfeifen tue ich auch nicht, aber ich bin nur 10 Minuten hintern den Herren oben und das, obwohl ich die Findungspause unten gemacht habe. Die pausieren bereits ausgiebig, essen Riegel und Gels und ich frage frech, ob jemand nicht vielleicht noch eine Picknickdecke dabei hat. Hier tummeln sich zahlreiche Radfahrer und bei einigen habe ich den Eindruck, dass die hier heute nichts anderes tun, als ständig hoch und runter zu fahren. Das wäre doch was… könnte man tatsächlich mal drüber nachdenken. Heute natürlich nicht. Klar.

Vor der Abfahrt erwähne ich noch, dass die langen Ärmel der Mitfahrer sicherlich etwas überflüssig sind, nur um dann nach wenigen hundert Metern Berg ab rollens in einem Feldweg anzuhalten und meine mitgebrachte Windweste überzuziehen. Jetzt, wo es gerade wieder losgehen kann eine Erkältung einzufangen, nur weil der Wind diesen Bergkamm entlang pfeift kommt nämlich überhaupt gar nicht in Frage. Die Herren warten eh unten am Zauberbrunnen, weil es dort immer ein Erinnerungsfoto gibt.

Unten ziehe ich dann auch die Weste wieder aus und wir fahren alle gemeinsam wieder zurück zum Abfahrtsort. Da die Männer noch weiter müssen, wollen sie sich mit einem Eis für die letzten Kilometer stärken, das kann ich gut verstehen und wir quatschen noch ein bisschen. Wie schön, wenn man einfach das machen kann, was man gerne tut, ohne Einschränkungen. Das ist wirklich sehr viel wert.

Clauditries

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Über Clauditries

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