Ich pausiere meinen Trainingsplan mit der Chefin. Ich halte den Plan zu wenig ein und mache andererseits zu viele Vorschriften, was ich wann trainieren kann. Oft denke ich, dass das Leben den Plan vorgibt, mit der Zeit, die mir zur Verfügung steht und mit den Trainingsmöglichkeiten und dass die Chefin sich eben danach richten muss. Sie gibt zwar alles, aber wenn ich es dann doch nicht durchführe, muß ich sie und mich selbst ja nicht enttäuschen und mir den Tag versauen, weil ich das Training nicht wie geplant gemacht habe.

Das Training geht also weiter, aber mit anderem Fokus. Es ist ja auch nicht so, als würde der 70.3 direkt vor der Tür stehen oder ein Ironman in Sichtweite sein. Es ist viel mehr so, dass ich mich in einer Knietherapie befinde, meine Lunge mit den Sprays austeste, bisher keine nennenswerte Kondition habe und angstfreies Fahrrad fahren übe. Das sind vollkommen andere Ziele als ein 70.3 oder ein Ironman. Obwohl es einer Langdistanz sicherlich irgendwie ähnelt und das alles auch eine gewisse Ausdauer erfordert.

In meiner Uhr gibt’s die Möglichkeit auch meinem Laufniveau einen Trainingsplan runter zu laden, der von einem Coach (den man sich aussuchen kann) erstellt wurde und den -so nehme ich es an- ein Algorithmus an meine Fähigkeiten anpasst. Um den Trainingsplan erstmalig aufzusetzen beantwortet man ein paar Fragen aus einer Auswahl und dann sagt man dem System noch, wann es einem denn so passen würde, zeittechnisch. Und dann teilt mir Coach Amy, die ich für gut befunden habe, mit, dass heute erst mal ein Einstufungslauf statt finden soll, den sie mir bereits an meine Uhr gesendet hätte.

Stimmt. Ich rufe das Training über die Uhr auf und absolviere es noch schnell, vor dem Schwimmtraining. Einlaufen, 5 Minuten so laufen, dass es kontinuierlich möglich ist, und dann wieder auslaufen. Lang ist der Einstufungslauf also nicht, aber mein Ziel für diesen Trainingsplan ist natürlich auch relativ niedrig gesteckt. Bei der Witterung bin ich trotzdem total durchgeschwitzt. Jeder Wechsel, also vom Einlaufen zum 5 Minuten Dauerlauf und wieder zum auslaufen, wird mit einem akustischen Countdown runter gezählt und dann mit einem Vibrationsalarm final markiert. Das klappt gut.

Erstaunlich, was es alles für Funktionen bei so einer Laufuhr gibt, die man eben normalerweise kaum oder gar nicht nutzt. Also ich zumindest nicht. Auf der Fahrt zum Schwimmbad berichte ich dem Zeugwart von dem Plan und meiner Durchführung. Dann gehen wir schwimmen. Weil gerade eine Gruppenchallenge läuft, ebenfalls eine neuentdeckte Funktion der Uhren, zumindest bei mir, schwimmen wir so viel, wie es geht. Und weil mir Walter Mitty einen Floh ins Ohr gesetzt hat, dass wir Anfang November in Mainz doch auch 100x100m schwimmen könnten, versuche ich einfach mal 100m mit der entsprechenden Abgangszeit zu schwimmen.

Als ich aus dem Becken aussteige, habe ich nicht den Eindruck, dass 100 x 100 Meter eine gute Idee sind. Egal wann. Das ist ja doch recht weit. Ich muß Walter Mitty Bescheid sagen, dass mit meiner Teilnahme eher nicht zu rechnen ist. Morgen geht’s mit meinem Lauftrainingsplan weiter. Nach dem heutigen Einstufungslauf steht für morgen gleich eine Einheit in der Uhrzugehörigen App. Da bin ich ja mal gespannt.