Zu laut beim Ironman in Frankfurt 2


Mit den Tricampern ist es immer ein besonders schöner Abend und nachdem wir mit Lovis im Anschluß noch eine kurze Skylinetour gemacht haben, landen wir alle recht früh im Bett. Die Nacht ist kurz und endet dementsprechend früh. Unser Plan für den heutigen Tag ist klar gesetzt und muß einfach nur nach und nach abgearbeitet werden. Frühstück, anziehen, Taschen packen, Schwimmstart im HR im Fernsehen ansehen, sich über die unwissenden Moderatoren aufregen, in die Stadt fahren. Ich bin was die Moderatoren angeht wirklich von Jahr zu Jahr mehr überrascht, was die Herren so zum Besten geben und das, obwohl sie mittlerweile ja schon ein paar Jahre Ironman Moderation machen. Aber meine Erwartungen sind hier wohl einfach zu hoch.

Wir fahren pünktlich in die Stadt und finden auch sofort an altbekannter Stelle einen Parkplatz. Um uns rum stehen erstaunlich viele Menschen, die alle noch lange nicht auf dem Heimweg sind. Am Triathlon ist hier keiner interessiert. Nachdem wir uns mit etwas Verpflegung, Anfeuerungsmaterial und den Klappstühlen bewaffnet haben, marschieren wir, keine Sekunde zu früh, auch schon los. Auf der Alten Brücke ist schon die Motorradcrew und als wir am Literaturhaus ankommen, sehen wir gerade noch das rot beflaggte Polizeiauto, das die Straße für die ersten Männer sperrt. Wir erwarten die Profis und gerade noch rechtzeitig haben wir alles aufgebaut und uns platziert, da radelt Josh Amberger auch schon wie der Teufel an uns vorbei. Es folgt Stille. Wir haben ihm zugejubelt und getrommelt und dann jäh innegehalten, denn von Verfolgern ist nichts zu sehen. Ist der Ironman denn jetzt schon rum? Wohl kaum, denn gut angekündigt durch den Moderator an der alten Brücke fliegt Jan Frodeno mit Patrick Lange im Schlepptau heran und wir stellen fest, der gute Josh hat einen ganz schönen Vorsprung.

Meine Wette läuft trotzdem auf Jan Frodeno, einfach weil er so ein Überathlet ist und weil Patrick Lange dann wieder in Kona der Erste sein wird. Immer bei allem vorne zu sein ist auch irgendwie langweilig. Wir quatschen ein bischen, während sich immer mehr Altersklassenathleten zwischen die Profis mischen und dann auch tatsächlich der Sugardaddy als Erstes an uns vorbeirast. Wirklich erkennen tut er uns wohl nicht, aber wir haben einen Grund nur noch mehr Lärm zu machen, als sowieso schon und vielleicht kommt ja doch etwas über die Athletenohren in seinem konzentrierten Athletengehirn an? Auf der Strecke sind heute drei Tricamper, die mit ihren gelben Anzügen hervorragend zu erkennen sind. Außerdem sind noch ein paar andere Freunde, der PowerRanger, die GreenMachine und ein Vereinskollege, der allerdings inkognito startet, mit von der Partie. Wir haben mit der Anfeuerung unserer Athleten wirklich alle Hände voll zu tun. Vor allem, weil sie sich auch leistungstechnisch alle abgesprochen haben. Wir rufen wie wild und die Ereignisse überschlagen sich.

An den Schienen, direkt vor der Nase des Zeugwarts, verliert eine Freundin ihren Tacho und natürlich wird der gesichert und später entsprechend übergeben. Überhaupt sind die Schienen hier am Literaturhaus eine richtige Durschschüttelstrecke. Hier fliegen Flaschen und Material, was das Zeug hält. Wir kommen kaum zur Ruhe. Aber es heißt ja auch nicht ausruhen sondern anfeuern, also geht’s auf der zweiten Radrunde auch schon weiter und dann marschieren wir pünktlich zum Wechsel der Profiherren an die Wechselzone. Lovis und Karla Kolumna, die sich mittlerweile dazugesellt hat, sollen ja auch etwas geboten kriegen, wenn es schon eine Langdistanz mit hervorragender Besetzung ist.

Nach dem Wechsel geht’s für uns weiter auf die Laufstrecke. Unsere Athleten sind schon fast „in Sicht“ aber zumindest wohl in „Hörweite“, so dass wir ein ordentliches Getöse starten. Wir befinden uns auf der Laufstrecke auch in hervorragender Gesellschaft. Hier ist wirklich die Hölle los. Die Zuschauer stehen dicht an dicht und die Schneise für die Athleten ist überschaubar klein. Die Tricamper jubeln und klatschen für jeden, eskalieren aber vollständig, wenn einer ihrer Athleten kommt oder einer unserer Freunde, die zwar unbekannt sind, aber doch irgendwie dazugehören. Sogar der HR bittet uns für eine Fernsehübertragung mit Dan Loran kurz leise zu sein. Unglaublich, oder? Wir sind zu laut… an der Laufstrecke der Ironman Europameisterschaft. Zu laut. Ich muß grinsen, denn eigentlich kann man Athleten gar nicht laut genug anfeuern. Es ist mittlerweile absehbar, dass der Sugardaddy wohl nicht auf die Insel fliegen wird, zumindest nicht als Athlet beim Ironman, und wir wissen alle, dass er sicherlich etwas entäuscht sein wird. Aber leider ist das so, denn wo große Hoffnungen sind, können auch große Träume zerplatzen. Ich wünsche ihm, dass er schnell zur Zufriedenheit zurückkehren kann, wenn es tatsächlich nicht als Inselathlet klappt.

Mein Ernährungscoach erinnert mich heute konsequent an die Nahrungs- und Getränkeaufnahme, was hervorragend klappt und mich, im Gegensatz zur letzten Woche, beim anfeuern in Roth, regelrecht aufblühen lässt, über den Tag ordentlich trinken, bei so viel Aktionismus und diesen Temperaturen, ist schon viel Wert. Der Zeugwart achtet zusätzlich auch auf die Zufuhr von Kohlehydraten und ermahnt zum Auftragen von Sonnecreme. Es läuft bei mir so richtig. Ich sage es ja, wenn man sich mit Spezialisten umgibt, ist es egal, wie schlecht man selbst ist, die holen das Beste aus einem raus. Ich spreche in einer Fotopause die Chefin an und verpasse doch glatt einen unserer Athleten, aber gut, so ist das eben manchmal. Jetzt bin ich mal flott dran. Die Chefin erkennt mein Problem und teilt mit, dass die Lösung ausschließlich Lauf ABC heißen kann. Es gibt keine andere Möglichkeit außer das Training. Jedes You Tube Video oder Buch wird mir nicht so gut helfen, wie es einfach zu machen. Und das Lauf ABC ist der größte Feind des Schlurfilaufstils, der Fachbegriff für mein rumgeeiere. Lauf ABC klingt anstrengend, ist es auch, das weiß ich, und ich glaube auch nicht, dass ich das besonders konsequent durchführen kann. Aber es kommt auf einen Versuch an.

Jetzt muß ich wieder an die Strecke. Der Sugardaddy ist gerade in seiner letzten Runde vorbei und wir wollen ihn, und alle anderen Freunde natürlich im Ziel begrüßen. Der PowerRanger hat mich sogar gefragt, ob ich ihm seine Medaillie geben würde, so dass ich für ihn also auf alle Fälle sogar hinter das Ziel muß. Dort hinten zu stehen und die Athleten den roten Teppich vor dem Römer hochrennen zu sehen, erschöpft, glücklich, durchgeschwitzt, von der Hitze und der Stimmung gezeichnet, das ist immer etwas ganz besonders. Irgendwie kann gegen das direkte Danebenstehen wirklich keine Fernsehübertragung, kein Blogbericht und keine Erzählung anstinken. Es ist einfach so extrem emotional. Als der PowerRanger ins Ziel rennt und seine Medaillie bekommt, hebt er mich vor Glück und Freude an. Offensichtlich ist er vom Ironman entweder so beflügelt, oder einfach nicht ausgelastet. Unnötig zu erwähnen, dass mir seit diesem Moment der Rücken schmerzt, denn ich bin nun mal keine 15 mehr und der PowerRanger hat offensichtlich gedacht, dass ich unzerstörbar bin.

Wir warten heute, bis auch der letzte unserer Athlet es zum Eingang der Zielgeraden, der Road to Kona, geschafft hat, ehe wir müde zum Auto wandern. Es war wirklich ein langer Tag, aber dank meines Ernährungscoaches fühle ich mich zwar erschöpft, aber längst nicht so zerstört, wie in Roth letzte Woche. Ich habe ganz offensichtlich die richtigen Berater und Trainer an meiner Seite. Das ist auch eine Kunst, sich mit den richtigen Menschen zu umgeben und die richtigen Berater auszusuchen. Auf der Heimfahrt sinieren wir über den Ironman Frankfurt, darüber, ob wir eine Möglichkeit sehen, selbst mal mitzumachen, darüber, was es heißt ein Ironman zu sein. Wir überlegen, ob wir die Entbehrungen auf uns nehmen wollen würden, wir überlegen Alternativen zum teilweise gefährlichen Radfahren auf der Straße. Wir überschlagen die Möglichkeiten und fallen irgendwann alle sehr erschöpft ins Bett. Und wieder spukt es in meinem Kopf herum, wie es wohl wäre, ein Ironman zu sein. Aber ich, die sich bei 4km quält, würde ja noch nicht mal von der Wechselzone auf die andere Mainseite kommen. Das wäre wohl doch ein bischen wenig. Na dann fange ich wohl doch mal mit dem Lauf ABC an. Wie es die Chefin gesagt hat.

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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2 Gedanken zu “Zu laut beim Ironman in Frankfurt

  • Helge Orlt

    Liebe Claudi,
    wir haben den Ironman in Frankfurt vor dem Fernsehen verfolgt. Aber, da muss ich dir Recht geben, die wirkliche Stimmung kann das nicht einfangen. Und trotzdem hat es mich auch wieder gepackt. Und Karina auch. Und dann haben wir doch tatsächlich unsere nächste Teilnahme an einer Langdistanz beschlossen :-))))
    Einfach ansteckend.
    Es ist halt einfach eine Leidenschaft. Und ich bin mir ziemlich sicher, das du auch diesen Weg gehen wirst und dir eines Tages so eine Finishermedaille holen wirst.
    Und zum Thema Laufen kann ich nur sagen: denk doch mal daran, wie du dich vor Monaten beim Schwimmen gefühlt hast. Und dann denk an den letzten Schwimmausflug wo das Schwimmen dich so beflügelt hat und wie begeistert du bist, wie es mit dem Schwimmen jetzt klappt.
    Mit dem Laufen wird es nicht anders sein. Letzten Endes ist es „nur“ einen Frage der Übung. Ich würde mal sagen die Teamchefin weiß, wovon sie redet :-)
    Liebe Grüße
    Helge

    • Clauditries Autor des Beitrags

      Ahhh… das ist ja cool, Helge. Ihr seid ja schon erfahrene Athleten auf der Langdistanz, da bin ich gespannt, auf welche Veranstaltung die Wahl fallen wird.
      Viele Grüße,
      Claudi

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