Aufgeschütteter Ort


Die erste Nacht auf der Finca, mit leckerem Abendessen im Bauch, war großartig. Und so geht’s heute früh gleich mit dem üblichen Fincamnorgenritual los und wir turne die 5 Tibeter. So ganz erschließt sich mir jede dieser Übungen nach wie vor nicht, aber irgendetwas wird es schon bringen und außerdem passt es gemeinschaftlich auch irgendwie. Ich kann mit meinem Knie nicht alles gut mitmachen und beschließe, dass ich morgen früh, wo wieder die nüchternen Tibeter auf dem Plan stehen, meine Knieübungen machen werde.

Im Anschluß an das frühmorgendliche Tibeter Sammelsurium geht’s auf direktem Weg zum Frühstück und dann ziehen der Zeugwart und ich uns auch schon um. Zum Rad fahren habe ich tatsächlich mittlerweile eine Art Routine. Zumindest fast. Ich muß sie hier auf der Finca üblicherweise um Sonnencreme erweitern, weil es daheim die letzten Jahre nie schon so warm gewesen ist. Dieses Jahr ist das aber anders, so dass ich die Daheimroutine ganz einfach 1:1 auf die Finca übertragen kann.

Unsere Radausfahrt beginnt heute um 10h, wie immer eigentlich, so kommt es mir vor, und die Cappucinogruppe hat eine angenehme Größe. Ich bin zwar mit fast jedem aus der Gruppe schon mal geradelt, trotzdem brauche ich etwas Gewöhnung. Irgendwie ist es auch besser, wenn man erst mal vorsichtiger in der Gruppe fährt, als gleich zu routiniert. Das ist sonst sicherlich ziemlich fehleranfällig. Und normalerweise ist es auch so, dass eine Gruppe erst nach ein paar Tagen ordentlich funktioniert. Man lernt sich und den Fahrstil der Anderen dann erst über die Zeit etwas besser kennen.

Diesen Ort Campagnet, in den wir gleich als Erstes reinfahren, den haben die doch aufgeschüttet, seit letztem Jahr. Das merke ich doch. Ich zittere wie Espenlaub und zusätzlich ist es hier viel steiler, als sonst. Das Timing für die Einnahme des Sprays war unfassbar schlecht. Das hätte ich nicht gedacht. Dabei hatte ich es mir gut ausgerechnet. Aber das Langzeitspray macht mir doch tatsächlich einen gewaltigen Strich durch den Anstieg. Wie unschön. Ich bin deprimiert. Letztes Jahr kann ich hier hoch. Ich habe geschnauft und klar war es anstrengend, aber ich habe nich vor Zittern fast den Lenker verloren.

Gott ist das deprimierend. Die ganze Gruppe muß oben auf mich warten. Lovis, die mir ihrer Sportverletzung noch immer rum macht und für die Berg auf fahren eine Quälerei ist, überholt mich letztendlich doch noch, und hält dann sogar mein Rad am Lenker fest, als ich auch endlich oben ankomme. Soll ich umdrehen? Als sich die Atmung beruhigt hat, beschließe ich, dass ich es noch ein paar Kilometer weiter probiere. Ich will auch nicht gleich aufgeben, aber natürlich will ich auch nicht mit zitternden Armen, die ich kaum ruhig gestellt bekomme, weiterfahren. Üblicherweise vergeht das Zittern dann ja aber genau so flott, wie es gekommen ist. Also probiere ich es noch ein bisschen. Wir nehmen die Abfahrt ins Peter Maffay Tal und biegen unten links ab. Hier bin ich ebenfalls schon sehr oft langgefahren.

Üblicherweise aber aus der anderen Richtung. Das Peter Maffay Tal führt uns aus Cala St. Vincent oft zurück nach Hause. Es ist einfach herrlich zu fahren. Leicht wellig und mit sehr wenigen Autos. Wahrscheinlich weiß einfach jeder Autofahrer hier in der Gegen, dass es von Radfahrer nur so wimmelt und bleibt deshalb gleich weg. Heute ist im Peter Maffay abartig viel los. Vielleicht liegt das an der Tageszeit? Oder an der Urlaubswoche? Ich weiß es nicht, aber es ist hier mehr Betrieb als in der Schilfstrasse, die als eigentlicher Zubringer zum Meer gilt und deshalb morgens, wie abends, von Rennradfahrern bevölkert ist.

Die großen Gruppen kommen uns ungeordnet in vierer oder Fünferreihe entgegen. Absolut gefährlich und unangebracht. Ich muß mich wirklich wundern, was im letzten Jahr mit den Radfahrer passiert ist. Vielleicht wurde eine Entwicklung im Bereich der Dummheit vollzogen? Oder eine Weiterbildung absolviert, im Bereich Rücksichtslosigkeit? Oder aber, die, die ansonsten auf den Autobahnen denken, sie sind alleine, fahren halt jetzt Rennrad und denken das Gleiche. Warum sollten sie auch etwas anderes denken?

Wir biegen nach dem Peter Maffay Tal an der Straße gleich wieder in den Golfplatz ab. Hier bin ich tatsächlich noch nie langgefahren. Eine enge Straße durch die Gärten, ebenfalls wenig befahren und erfreulich gut einzusehen. Zumindest an den meisten Kurven. In einer Kurve tut sich ein Graben an der Gegenüberliegenden Mauer auf und ich bin ziemlich überrascht. Ich habe den erst auf den zweiten Blick erkannt. Aber immerhin noch erkannt. Die Strasse mündet auf die bekannte Straße die uns durch Alcudia bringt und so fahren wir im Touristenverkehr in Richtung Kaffeepause. Die Touristen hier, haben alles andere im Kopf außer die Verkehrsregeln.

Das merken sie untereinander, weil sie sich die Vorfahrt nehmen oder auch einfach ausparken, keine Blinker benutzen und auch ansonsten eher wie Fahranfänger unterwegs sind und das merke ich auch, als ich in einen Kreisel einfahre und der Autofahrer leider die Verkehrsregeln nicht ganz beherrscht. Erfreulicherweise kann ich ihm mit meinem lauten Organ  klar machen, wo der Hammer hängt und wir haben einen kurzen Stillstand im Verkehr, so dass wir alle gut durchkommen. Tatsächlich gehört zu jedem Tag auf dem Rad auch auf Mallorca eine gute Portion Glück, das steht fest.

Am Ort der Kaffeepause ist leider die Messe vom Mallorca 312 bereits abgebaut, so dass wir keine Chance zum stöbern haben, und so trinken wir nur ausgiebig, erfreuen uns der schönen Strecke, machen noch einen Fotostop am Meer und fahren dann durch die Schilfstrasse nach Hause. Da meine Radpumpe falsch rum am Flaschenhalter montiert ist, geht sie auf und blockiert meine Kurbel, so dass ich auf einmal in der Gruppe nicht mehr treten kann. Ich muß rechts ranfahren und erst mal schauen, was da los ist. Dass es die Pumpe ist, ist mir schnell klar, aber ich kann das nicht während der Fahrt kontrollieren. Das Problem ist auf jeden Fall unheimlich schnell behoben und so setzen der Zeugwart und ich uns vor die Gruppe und fahren alle zurück zur Finca.

Hier gibt es tatsächlich eine kurze Verschnaufpause. Wir essen etwas, stehen im Pool und trinken. Die Speicher sind gut angegegessen und wollen unbedingt für morgen wieder aufgefüllt werden. Dann ziehen wir uns die Laufklamotten an und machen eine Lauftechnikeinheit. Ich kann fast alles gut mitmachen, einige Sprungübungen lasse ich zwar aus, aber ansonsten bin ich beim Lauf ABC mit dabei. Die Chefin hat mich gut vorbereitet, das erste Trainingsziel „Trainingslager“ wird gut umgesetzt. Nach dem Techniklauf habe ich einen Hänger. Ich habe rasenden Kopfschmerzen und glaube, dass ich tatsächlich etwas viel Sonne abgekommen habe. Lovis gibt mir aber ein krasses Medikament und die Kopfschmerzen sind dann wie weg gepustet.

Beim Abendessen greife ich so richtig zu und schaffe trotz Müdigkeit dann gerade noch den abendlichen Vortrag über das Radfahren in Gruppen und gehe dann ziemlich schnell ins Bett. Mein Körper braucht Schlaf. Er möchte meine Muskeln verstärken, anders kann ich mir die Müdigkeit nicht vorstellen.

Clauditries

Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Über Clauditries

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