Letztes Jahr im Januar habe ich den Runner’s World Januar Streak mitgemacht. Ich konnte im Dezember gerade wieder 5km am Stück laufen und deshalb war der Januar ein lauffreudiger Monat. Jeden Tag laufen zu gehen, bei Wind und Wetter und immer mindestens 1 Meile war eine Herausforderung. Zumindest in den ersten Tagen hat sich das manchmal mehr nach Überwindung angefühlt. Ich habe mich aber erfreulicherweise nach jedem Lauf besser gefühlt, als vor dem jeweiligen Lauf und deshalb war das schon eine coole Sache. Der Selbstversuch ist also geglückt. Mache ich das nun dieses Jahr wieder?

Das war eigentlich fest eingeplant.

Zumindest so ganz grob. Immerhin hat es mir Spaß gemacht und gegen eine Meile laufen am Tag kann man jetzt auch nicht so viel sagen. Trainingstechnisch macht ein Streak sicherlich wenig Sinn, aber ich habe von sinnvollem Training nicht ganz so viel Ahnung. Zumindest nicht vom Triathlon Training oder vom Training für einen Halbmarathon. Obwohl überall Trainingspläne zu finden sind und mir das drei Wochen Belastung und eine Woche Entlastung- Prinzip durchaus etwas sagt. Aber wie steigert man? Entfernung oder Intensität? Das alles ist nicht mein Spezialgebiet.

Ich kann ganz gut Schwimmtrainingspläne schreiben. Einheitsbezogen. Und dann hört es auf. Als ich heute früh aufstehe bin ich vom Januar Streak nich mehr überzeugt. Ich bin verspannt und merke ein paar Sehen und Gelenke. Und ich höre in mich rein. Ist ein Streak im Januar wirklich klug, wenn ich im Mai den Halbmarathon laufen möchte? Vor allem, weil ich ganz offensichtlich jetzt wieder ganz gut laufen kann, aber eben trotzdem noch wirklich weit davon entfernt bin durchtrainiert zu sein.

Ein Athlet, der Rundrum in Form ist, der bin ich nicht.

Einfach damit umgehen

Es gibt viele Baustellen in meinem sportlichen Leben. Und damit meine ich nicht unbedingt nur die Unfallfolgen, die sich immer mal wieder bemerkbar machen. Mit denen komme ich mittlerweile ganz gut klar. Es bringt ja auch gar nichts, sich darüber zu ärgern. Die Annahme und der Umgang mit Einschränkungen, das ist das, was mich weiterbringt. Und wenn ich kurz gehen muß, um mein Spray zu nehmen, dann wird das eben gemacht. Ohne, dass ich mich ärgere. Das gehört dazu. Fertig. Eine wirkliche Baustelle, die ich allerdings angehen kann, ist allerdings weiterhin die Athletik. Das Stabitraining. Das Dehnen. Nicht unbedingt Krafttraining, weil das noch mal ein bisschen was Anderes ist.

Ich meine ganz klar, dass ich stabiler werden sollte und gleichzeitig flexibler. Das schließt sich beim Sport nicht aus. Wenn ich eine stabile Körpermitte habe, weil die Muskulatur in Bauch und Rücken gut trainiert ist, dann hilft mir das auf dem Rad und auch beim Laufen. Und wenn ich mit den Händen vornüber gebeugt auf den Boden komme, oder mit den Fersen zum Po, dann hilft mir das ebenfalls in allen Disziplinen. Und ich glaube auch generell im Alltag. Und im Grunde meines Herzens ist es mir klar, dass der ganze Sport nur dazu da ist, dass ich einfach lange fit bleibe.

Wer rastet, der rostet.

Gerade mit meinem Job, bei dem ich täglich gut über 10 Stunde sitze. Ohne jegliche Bewegung. Entweder ich sitze im Auto, vor Corona im Flugzeug, und dann eben am Schreibtisch. Außer einem Gang in die Waschräume, in die Küche oder in ein Nachbarbüro ist da nicht viel mit Bewegung. Gift für den menschlichen Körper. Deshalb hilft der Sport. Jegliche Form der Bewegung eigentlich. Es muß kein Triathlon sein. Natürlich nicht. Reines Laufen hilft. Oder Rad fahren oder schwimmen. Auch fechten, Fußball spielen oder Tennis sind Bewegungssportarten, die bei einem Bürojob auf jeden Fall besser sind für den Körper, als puzzeln. Für meine Athletik versuche ich es im Januar nun mal mit etwas Neuem.

Alle Welt redet von Yoga. Yoga zur Entspannung, Yoga als Alternativtraining, Yoga für Läufer, Yoga zum dehnen. Yoga ist in aller Munde.

Ich habe Yoga schon ein paar mal probiert. Allerdings bisher nie mit nennenswertem Erfolg und auch nicht mit großem Durchhaltevermögen. Ich habe die DVD von Susanne Fröhlich durchgedurft und das auch ein paar Wochen lang gemacht. Auf der Arbeit gab es mal eine Zeit lang Mittags eine kurze Yoga Einheit, bei der ich auch mitgemacht habe. Ich bin nie dabei geblieben. Dabei bin ich auch oft gut darin etwas durchzuziehen. Aber Yoga hat das bisher zumindest bei mir nicht geschafft. Aber es ist nie zu spät. Und manchmal braucht man auch einfach mehrere Anläufe für etwas.

Yoga – was ist drin?

Im Internet gibt’s zwei absolute Yoga Königinnen. Abseits von zahlreichen kleineren Yoga Feen, die mir auch bekannt sind, kenne ich Mady Morrison und Adrienne mit ihrem Hund. Mady YouTubed auf Deutsch, Adrienne auf Englisch. Mady ist jung, überhaupt nicht gekünstelt und ich finde es bemerkenswert was für eine unfassbare Auswahl an Videos sie auf ihrem Kanal vollkommen kostenfrei zur Verfügung stellt. Manche ihrer Einheiten, z.B. um den Nacken zu streichen, habe ich schon mal gemacht. Ich mag ihre Stimme, auch wenn ich mit zu viel Esoterik und „finde Dich selbst“ oder „schau nach innen“ nicht so viel anfangen kann.

Für meinen Yoga Selbstversuch um etwas stabiler und flexibler zu werden, beschließe ich, mich Mady anzuschließen. Wie schon im letzten Jahr bietet sie einen festgelegten Kalender an, den sie in ihrem Newsletter versendet. Das ist vollkommen kostenfrei. Jeder kann sich anmelden und bekommt den Ablaufplan, also den Kalender zugeschickt. Und dann gibt’s zusätzlich noch eine Email mit den entsprechenden Links zu den einzelnen Yoga Sequenzen. Los geht’s am Montag. Bei mir aber heute. Ich habe Lust und fange deshalb einfach schon mal an.

Zu viel Beweglichkeit werde ich dadurch ganz sicher nicht erreichen. Da kann ich mir ziemlich sicher sein.

Los geht’s

Die erste Einheit nennt sich „Happy Heart – Healthy Back“ und ist ein YouTube Video, das 28 Minuten lang ist. Wow. Da starten wir also gleich mal richtig durch. Ob das wirklich Anfängertauglich ist? Die Dame hat über 1 Million Abonnenten auf YouTube, da wird sie ja schon irgendwie wissen, ob das geht, oder nicht? Aber nicht alle Anfänger sind gleich. Nun ja. Ich ziehe mich um, starte das Video und begebe mich auf die Matte. Die ist mittlerweile auch schon ganz schön in die Jahre gekommen fällt mir dabei auf. Während ich im Schneidersitz dasitze und atme und mich auf irgendwas drinnen in mir konzentriere, schließe ich mal besser die Augen. Aus dieser Höhe sehe ich nämlich, dass wir gut mal wieder Staub wischen könnten.

Putzen geht immer, aber jetzt geht’s ja gerade um Yoga, also kann das Putzen warten. Wenn ich mir den Staub unter dem Schrank so ansehe, scheint es öfter um was Anderes zu gehen, als das Putzen. Egal. Ich mache jetzt also Yoga. Die Sache dauert länger als 28 Minuten. Das liegt einfach daran, dass ich das Video ein paar mal anhalte und mir die Übung noch mal ansehe. Natürlich wird mit Begriffen erklärt, die ich -noch- nicht kenne. Ich habe viele schon gehört, aber gerade, wenn man keine Ahnung hat, vergewissert man sich besser zwei mal.

Gut, dass ich vier Tage Vorsprung habe!

Im Endeffekt bin ich einmal wirklich gut durchgeschwitzt, als das Video zu Ende ist. Und sogar die zwei Minuten auf dem Rücken liegen zur Entspannung zum Ende hin habe ich einfach so hinnehmen können. Bin ich am Ende vielleicht doch yogatauglich? Soweit würde ich jetzt noch nicht gehen. Es könnte auch eine Anfangshysterie sein, die sich zügig legt. Die Einheit hat mir auf jeden Fall gut getan. Und darum geht’s ja im Endeffekt. Ich bin gespannt auf morgen. Da steht im Plan irgendwas von Sonnengruß. Na, ich hoffe mal, dass das Wetter da Bescheid weiß… sonst macht das ja keinen Sinn.