Nachdem wir das weitestgehend sonnige Mallorca gestern hinter uns gelassen haben, stapelt sich die Dreckwäsche bei uns im Wohnzimmer. Wer hätte das gedacht, dass wir tatsächlich so viel getragene Sportwäsche mit nach Hause bringen? Sporttechnisch war die letzte Woche wirklich vollumfänglich ausgenutzt, viel mehr hätte ich nicht machen können. Und vor allem hätten auch gar nicht mehr Klamotten in den Koffer gepasst!

Heute ist ein besonderer Sonntag: Wings for Life World Run Sonntag. Auf der ganzen Welt rennen die Menschen heute um 13h deutscher Zeit einen Lauf, mit ungewisser Ziellinie. Nach 30 Minuten fährt die nämlich erst los und fängt einen dann eben ein, wo man so ist. Die Tricamper haben wieder ein eigenes Team und treffen sich in München. Das war dem Zeugwart und mir allerdings zu wild. Aus Mallorca gleich nach München fliegen und dann erst Sonntag Abend wieder heim, so abenteuerlich sind wir dann doch nicht.

Laufen mit App

Erfreulicherweise gibt es beim Wings for Life World Run die Möglichkeit per App mitzumachen. Spektakulär. Ich habe mir also mal gestern Abend alles durchgelesen und die App runterladen. Dann habe ich mich entsprechend angemeldet und so hat die App mir heute per Countdown mitgeteilt, wie lange es noch bis zum Start um 13h ist. Da ich noch nie mit dieser App gelaufen bin, weil wir ja letztes Jahr in München mitgemacht haben, bin ich sehr gespannt, wie die ganze Sache ablaufen wird. Entscheidend ist, ich habe mich als Team Tricamp angemeldet und der Zeugwart und ich gehen überpünktlich auf die Straße, damit das GPS Signal gefunden werden kann und alles bis zum Start passt.

Statt in der zusammengepferchten Startaufstellung spazieren der Zeugwart und ich ein bisschen ins Feld hinein, weil zum rumstehen einfach zu frisch ist und es der App ja vom Grundsatz her total egal ist, von wo ich um 13h loslaufe. Ich trage heute meine leichten Wettkampflaufschuhe. Obwohl ich walke glaube ich trotzdem, dass es angebracht ist, sich entsprechend anzuziehen. Die Wettkampflaufschuhe sind ein bisschen leichter, als meine normalen Trainingslaufschuhe und sie hatten noch nicht oft Auslauf, warum also nicht heute?

Immer gut vorbereitet

Der Himmel hinter uns ist total dunkel und ich bin froh, dass ich meine Regenjacke umgebunden habe. Vielleicht habe ich Glück, und das Mitführen eben dieser verhindert, dass es tatsächlich regnet? Falls es aber beginnt, bin ich zumindest vorbereitet. Der Countdown zum Lauf erfolgt heimlich, still und leise und so werde ich aufgefordert den Startknopf zu drücken, wenn ich dann also loslaufe. Natürlich drücke ich sofort. Im Gegensatz zur randvollen Startaufstellung in München habe ich hier und heute die Chance sofort unterwegs zu sein. Der Zeugwart rennt, ich walke und so begeben wir uns auf die Strecke.

Grobe Streckenführung

Natürlich haben wir vorher abgesprochen, wo wir so entlang laufen möchten. Im letzten Jahr habe ich 4,4km geschafft, ich denke also, dass ich so weit auf jeden Fall wieder komme. Immerhin war auf der Strecke auch Stau und ich bin ja erst ein bisschen nach dem Startschuss über die Startlinie marschiert. Im letzten Jahr hatte ich viele Gedanken im Kopf, dieses Jahr will ich einfach besser sein, als letztes Jahr. Weitere Gedanken mache ich mir nicht. Ich nehme mir sogar die Musikkopfhörer aus den Ohren, weil es ja ein Wettkampf ist und da läuft man nicht mit Kopfhörer im Ohr.

Nach knapp 1,5km kommt hinter mir ein Polizeiauto auf dem Feldweg entlang. Ich höre es und mache natürlich Platz. Auch wenn ich weiß, dass die Herren Polizisten mit diesem Weg wenig Freude haben werden, weil weiter vorne kein Durchkommen für Autos ist. Aber wer weiß, was die machen und so lasse ich mich natürlich überholen. Ein bisschen Ablenkung ist auch ganz nett und so gibt es gleich darauf ein paar Bremsleuchten und den Rückwärtsgang, nur um das Polizeiauto, ungewendet, wieder auf mich zufahren zu sehen. Ich mache natürlich gerne ein zweites Mal Platz und winke den Herren zu. So ein Bild mit Besenwagen ist schon auch ganz lustig.

Geniale Begleitung

Der Zeugwart kommt mir wieder entgegen. Er hat heute schwere Beine und zusätzlich nicht die richtigen Schuhe gewählt. Also beschließt er, dass er mich bei meinem Wings for Life World Run begleitet. Ich walke und er schlendert nebenher. Ich muß mich ordentlich anstrengen, und tatsächlich muß der Zeugwart die Schlenderei aufgeben um dran zu bleiben. Ziemlich cool, dass er bei mir bleibt und mir zwischendurch immer mal ansagt, was die App so anzeigt. Tatsächlich kommunizieren tut sie mir nur jeden absolvierten Kilometer, und der passt sogar ziemlich perfekt mit meiner Uhr zusammen, wann das Catcher Car, also die Ziellinie losfährt, das zeigt sie an, sagt dazu aber nichts. Ich trage das Telefon mit der App im Bildschirm am Arm, aber besonders gut sehen, kann ich auf dem Bildschirm nichts.

Gut also, dass der Zeugwart heute als Athletenbegleiter tätig ist und mich über alles regelmäßig auf dem Laufenden hält. Wir machen ein paar Zwischenrenneinlagen, weil ich es einfach probieren möchte, wie das Knie samt Kniebandage auf Zwischenläufe reagiert. Denn wenn man es nicht probiert, kann man es nicht wissen. Die Ziellinie setzt sich nach 30 Minuten in Bewegung. Ich habe da schon über 3km absolviert und erkenne langsam, dass ich heute sicherlich weiter komme, als die 4,4km vom letzten Mal. Auch wenn es ganz bestimmt weiterhin unter der Postbar-Marke des Abenteurers bleiben wird, aber tatsächlich ist das ja seine Marke und nicht meine.

Vor dem Catcher Car

Es ist ein tolles Gefühl, als ich die 5km Marke absolviere und immer noch nicht von der Ziellinie eingefangen bin. Wir walken gemeinsam, weiter und weiter und statt einfach wieder zurück, steuere ich eine kleine Runde an, so kann der Zeugwart mir auch immer ganz gut beschreiben, wo das Catcher Car denn im Moment so rumfährt, virtuell. Die App um mitmachen zu können ist wirklich genial. Ich passiere Kilometer 6 und kann immer noch mal ein Stück rennen, ohne dass mein Knie schmerzt. Vielleicht sind die Wettkampfschuhe da einfach total förderlich?

Als die Ziellinie noch rund 500m weit entfernt ist, sagt die App mir das an und der Zeugwart ebenfalls. Aber so leicht will ich es dem Catcher Car dann doch nicht machen, es wird bis zu letzt gekämpft und durchgezogen. Aber natürlich bekommt mich die Ziellinie und so stoppe ich heute nach 7,1km den Wings for Life World Run und spaziere mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit zurück nach Hause. Beim Lauf mit der App bekommt man weder ein T-Shirt, noch eine Medaille, was ich deutlich schade finde, und statt im Olympiastadion in Empfang genommen zu werden, schließt mir der Zeugwart zu Hause die Tür auf.

Aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich irgendwie dabei war. Das ist schön.