Gestern haben wir unfassbar viel frische Luft auf der Lahn geschnappt, weil wir mit Madita und Lisabet Kajak gefahren sind. Mitten im Sommer ist die Lahn deutlich überlaufener, als die Wiesent in der Fränkischen Schweiz. Aber das Rhein-Main Gebiet ist natürlich auch ein ganz anderes Einzugsgebiet mit viel mehr Menschen. Trotzdem kann ich so eine Kajaktour auf der Lahn im Sommer nicht unbedingt empfehlen. Abseits der Ferien hat man auf der Lahn sicherlich auch viel mehr Ruhe und kann die Natur deutlich mehr genießen. Für heute ziehe ich mir auffällige Klamotten an und wir fahren Rad.

Sicherheit steht an erster Stelle

Im Grunde überlege ich mir gar nicht großartig, was ich mir bei der Hitze für Klamotten anziehe, aber weil der Zeugwart und ich viel durch den Wald unterwegs sein werden, müssen sie Crosser tauglich sein. Und weil wir im Rhein-Main Gebiet kaum Natur ohne Straßen haben, finde ich sie sollten auch nicht zu unsichtbar sein. Ich probiere heute außerdem auch mein neues Garmin Radar Rücklicht, das herannahenden Verkehr anzeigt und mit entsprechend höherer Blinkfrequenz oder intensiverem Licht quittiert. Ein absoluter Sicherheitsfaktor im dichten Straßenverkehr.

Der Zeugwart hat heute eine ordentliche Radrunde auf seinem Trainingsplan stehen und nach unserem Frühstück auf dem dann noch kühlen Balkon, ziehen wir uns also die Klamotten an und fahren los. Um mich etwas konkurrenzfähig zu halten, bei der Hitze, fährt der Zeugwart Mountainbike, während ich mit dem Crosser unterwegs bin. Wir versuchen den Wald in allen Richtungen zu durchkämmen und finden wirklich tolle Strecken. Auf den Straßen, die wir dabei ebenfalls befahren müssen, ist ordentlich etwas los, allerdings machen alle Autofahrer wirklich auffällig angenehme Bögen um uns rum und das Radar-Rücklicht zeigt den nahenden Verkehr ganz hervorragend an.

Mit Fön gleich wieder trocken

Eigentlich würde auf meinem Plan von Coach Jeff heute ein weiteres Lauf ABC stehen, aber zum Laufen ist es heute wirklich zu warm. Und schon wieder um 5h aufstehen, um den Lauf zu absolvieren, das finde ich wenig attraktiv. Das Lauftraining habe ich deshalb auf morgen verschoben. Ob es da kühler sein wird, sehe ich ja dann. Im Wald mit dem Rad ist heute zwar warm, aber nicht unerträglich. Auf den Feldern steht die Luft und der Fahrtwind fühlt sich eher nach Fön an, als dass er Abkühlung verschafft. Aber so trocknen wir wenigstens auch wieder schnell, wenn man schwitzt. Das hat auch was Gutes.

Bei einer kurzen Fotopause spricht mich eine andere Radfahrerin an, die gute zwanzig Jahre älter ist als ich. Sie fragt mich, warum ich denn bloß so auffällig angezogen sei? Und dann auch noch ein Rücklicht. Ob das wirklich nötig ist. Sie hätte mich schon von Weitem gesehen. Ich frage, sie, ob das nicht positiv ist. Immerhin dürfte es so auch der Fall sein, dass ein Autofahrer mich rechtzeitig sieht und lieber einen Bogen um mich rum macht, als mich umzuziehen. Sie findet das nicht so gut, scheint es mir. Diese auffällige Kleidung ist übertrieben, findet sie und ihr Rücklicht würde ja auch vollkommen ausreichen. Dann fährt sie weiter. Ihr Rücklicht gleicht einem Teelicht und innerhalb von ein paar Sekunden ist die Frau von der Umwelt verschluckt. Mit ihrem E-Bike, ohne Helm und ohne auffällige Klamotten.

Ich erzähle dem Zeugwart von dem Gespräch, als wir uns wieder zusammenfinden und erfreulicherweise kommt auch er nicht darüber hinweg.

Gerade als Radfahrer ist Sichtbarkeit ja eine absolute Notwendigkeit.

Überlebenswichtig, sozusagen. Keine Garantie dafür, dass ein Autofahrer nicht doch abgelenkt ist, oder einen Fahrfehler macht, aber wenn man gesehen wird, ist es eben deutlich wahrscheinlicher, dass man im Verkehr rechtzeitig gesehen wird. Und heute habe ich mit den Autofahrern auch wirklich nur sehr gute Erfahrungen gemacht. Eher verwundert bin ich über die ältere Radfahrerin, der ich zu auffällig gekleidet bin.

Wir lockern unsere Beine heute ganz hervorragend, nutzen das gute Wetter aus, ohne dass es uns zu heiß wird und haben eine wirklich sehr schöne Radausfahrt. Ich entdecke auch ganz neue Wege und Ecken rund um unser Zuhause, was ziemlich großartig ist. Viele Wege sind ganz neu gemacht, auch hier bei uns daheim gibt es für Fahrradfahrer mehr Platz und eine bessere Infrastruktur. Einige Wege sind mittlerweile sogar baulich von der Straße getrennt. Das macht die Radfahrerei natürlich noch angenehmer.