Kraftausdauer ist ein großes Wort irgendwie. Als ich es heute früh im Trainingsplan lese, weiß ich auch nicht so genau, ob ich es cool finde, oder ob ich Angst haben muss. Da sich mein Tagesplan für heute einmal komplett gedreht hat, finde ich, dass ich dem Trainingsnamen von heute erst mal keine Beachtung schenke. Vielmehr muss ich mich so organisieren, dass die Kraftausdauer Laufeinheit heute überhaupt untergebracht werden kann. Ein Training im Tagesablauf unterzubringen ist nicht immer einfach. Dabei kommt es natürlich auf den Willen an. Ganz klar. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. 

Ich will nicht im Stockdunklen laufen gehen. Aber mitten am Tag will ich auch nicht, weil es dann mit dem Essen und dem Hunger nicht so gut passt. Nach der Arbeit kommt auch nicht in Frage, da bin ich zu geschafft. Was bleibt also? Richtig, Der Morgen. Nach dem Frühstück. Immerhin ist das hier kein Nüchternlauf. Der Coach schreibt was von Kraftausdauer. Ich frühstücke also, ziehe mich um und arbeite schon mal gute 45 Minuten. Dann schlüpfe ich in die Laufschuhe und schnappe mir die LaufMaus, die Jacke und die Laufweste. Das Training habe ich mir auf meiner Uhr eingespeichert. 

Zwar könnte ich mich an 15 Minuten einlaufen, dann 3 mal 5 Minuten flotter laufen, Ausfallschritte und Strecksprünge und 15 Minuten auslaufen sicherlich auch irgendwie erinnern, aber so ist es einfacher. Ich kann auf diese Art und Weise die Gedanken schweifen lassen. Es ist nicht wichtig mitzuzählen bei welcher Wiederholung ich bin oder wie viele Ausfallschritte ich schon gemacht habe. Die Uhr gibt alles vor und fertig. Sie meldet auch, wenn ich zu schnell oder zu langsam unterwegs bin. Im Vergleich zu den Vorgaben, die der Coach mir gemacht hat. Manchmal justiere ich die auch, je nach Bauchgefühl. Aber die Uhr meldet die Anweisungen. 

In letzter Zeit verschätze ich mich regelmäßig bei den Abständen. Wenn es um die Zeit geht. Meter und Kilometer habe ich ganz gut im Blick und bin auch beim Schätzen weit vorne mit dabei. Wie weit ich in einer bestimmten Zeit laufen kann, das schätze ich regelmäßig falsch ein. So ist es auch heute wieder. Ich habe im Kopf eingeplant, wo ich nach 15 Minuten einlaufen sein werde und wo dann die 5 Minuten flotter laufen starten können. So komme ich für die Strecksprünge und Ausfallschritte auf einer Wiese raus. Die steht zwar bestimmt unter Wasser, aber ich muss wenigstens nicht auf einem Bürgersteig rumhüpfen. 

Nach 8 Minuten bin ich dort, wo ich die 5 schnelleren Minuten starten wollte. Da passt was nicht zusammen, obwohl ich auf keinen Fall schnell unterwegs bin. Ich kann einfach Minuten im Laufen gar nicht gut abschätzen!  Ich biege hier also links ab und trabe in diese Richtung weiter. Wo werde ich wohl sein, wenn die 5 Minuten flotter Laufen beginnen? In diesem Kraftausdauer Training hat der Coach extra diese Strecksprünge und Ausfallschritte eingebaut, weil er denkt, dass die ins Krafttraining reinpassen. Oder weil er denkt, dass ich dafür Kraft brauche? Wie auch immer. Als meine Uhr ankündigt, dass ich jetzt 5 Minuten schneller laufen soll, bin ich gespannt, wo ich damit so rauskomme. 

Geschwindigkeiten laufen fällt mir leichter, als nach Pulsvorgaben unterwegs zu sein. Die 5 flotteren Minuten absolviere ich leichtfüßig und zufrieden. Ich laufe die Geschwindigkeit, in der ich mich ganz wohlfühle. Obwohl ich schneller laufe, als beim Einlaufen, kann ich hier deutlich besser atmen. Allerdings nur, bis zum Kraftausdauer Teil. Die Ausfallschritte gehen gerade noch. Als ich dann aber Strecksprünge machen soll, ist alles verloren. Erst runter in die Kniebeuge und dann mit hochgerissenen Armen hochspringen. Eine absolute Horrorübung!  Der Coach hat recht, das hat was mit Kraft zu tun. Und mit Ausdauer. Diesen Lauf also mit Kraftausdauer zu betiteln, ist absolut nachvollziehbar. 

Nach dem Strecksprüngen soll ich wieder 5 Minuten flott laufen und das ganze eben drei mal. Die Lauferei zwischen den Kraftausdauer Übungen ist anstrengend zu Beginn, aber nach ein paar Metern geht’s dann wieder. Insgesamt finde ich solche Läufe ja wesentlich sportlicher, als einfach nur rumzulaufen. Und mit dem eingespeicherten Training in der Uhr fällt es mir auch leicht alles so zu machen, wie der Coach es sich vorstellt und trotzdem die Gedanken schweifen zu lassen. Bei jeder Vibration am Handgelenk schaue ich kurz auf den Text, der im Display angezeigt wird. Dann weiß ich, was jetzt zu machen ist und es kann schon los gehen. 

Statt Auszulaufen, walke ich heim. Mein Puls passt beim walken besser in die Anweisung, als wenn ich laufe. Zeitlich macht das auch kaum was aus. Ich bin 2 Minuten länger unterwegs, als ursprünglich gedacht. Nach einer kurzen Schwitzpause und einem Getränk hüpfe ich unter die Dusche und bin dann auch zurück am Schreibtisch.