Was kann man denn so machen, an einem Karfreitag? Der Zeugwart und ich haben heute beide frei und das Wetter ist vielversprechend angesagt. Noch ist es mit 6°C recht frisch, aber es soll heute deutlich wärmer werden. Wir entscheiden uns für eine Gravelbike Runde. Unser Ziel liegt gute 45km entfernt im Nordosten von Frankfurt. In Rinderbügen, noch hinter Büdingen, wollen wir eine selbstgedruckte Halterung für mein Garmin Rücklicht* abholen. Klar, die könnte man auch schicken. Allerdings sagt der Zeugwart, dass wir ja den ganzen Tag Zeit haben. Und damit hat er Recht. Es geht also auf nach Büdingen auf möglichst unbefestigten Wegen.

Von uns aus fahren wir erst mal kreuz und quer durch unser Naturschutzgebiet. Dann geht’s kurz über die Straße und ich habe ein komisches Gefühl. Irgendwie schwammig. Ich glaube, mein Reifen ist platt. Also rufe ich den Zeugwart, der vor mir fährt und bitte um kurze Überprüfung, ob mein Reifen platt ist. Nein, sagt er, mein Reifen ist nicht platt. Gut, sage ich, dann ist was mit den Bremsen. Irgendetwas stimmt nämlich nicht. Mit den Bremsen ist allerdings alles in Ordnung und dann greift der Zeugwart an meinen Reifen und stellt fest, dass da sehr wohl viel zu wenig Luft drin ist. Also mein Hintern hat vielleicht ein gutes Gespür. Verrückt.

Der Reifen ist also platt und wir suchen uns eine Ecke, wo wir den Reifen wechseln können. Ehe ich mich versehe, ist der Reifen ausgebaut und der Zeugwart legt los. Da mein Gravelbike Scheibenbremsen hat, ist es beim Reifenwechsel erst mal wichtig den kleinen Klotz zwischen die Bremsbläge zu klemmen. Und dann kann es auch schon losgehen. Bei meinem Gravelbike sitzt der Reifen etwas fester auf der Felge, aber natürlich ist das für den Zeugwart kein Problem. Ich höre und fühle das kleine Loch im Schlauch blitzschnell und nachdem die Innenseite des Mantels noch mal kontrolliert ist, flicken* wir das Loch und setzen den Schlauch wieder ein. Meine kleine Pumpe* wird durch eine etwas Größere vom Zeugwart ersetzt und zack springt der Mantel in die Führung und das Rad ist wieder montiert.

Nach einem Reifenwechsel ist das A und O natürlich die Kontrolle des Wechselplatzes. Sitzt die Mutter wieder am Ventil? Sind die restlichen Flicken wieder eingepackt? Haben wir unseren Müll? Wir geben dem Drucker noch schnell Bescheid, dass sich unsere Anreise etwas verzögert und dann sind wir wieder unterwegs. Wir queren den Main und durchfahren die Stadt Hanau auf ganz idyllischen, ruhigen, Wegen, abseits vom Verkehr. Die Route haben wir mit Komoot geplant und finden so eine wirklich tolle Strecke durch die Stadt. Wir queren einige Autowege, die ich regelmäßig fahre, aber ich habe diese Idylle hier wirklich nicht erwartet. An der Kinzig, die hier ruhig entlang plätschert war ich so auch noch nie.

Gravelroute Büdingen

Im Grunde fahren wir wirklich mitten durch Hanau und dann über Langenselbold durch den Wald in Richtung Büdingen. Die Komoot Route ist malerisch und anspruchsvoll. Die Wege sind teilweise tief von Waldmaschinen zerfurcht, schlammig und doch ist der Wald viel trockener, als wir es erwartet haben. Wir nehmen große, breite Wege und Single Trails, die wir fast verpassen. Aber die Komoot Strecke leitet uns weitgehend gut. Ich kann mit meinem Gravelbike wirklich super umgehen. So ist das eben, wenn ein Fahrrad perfekt passt. Auch mit meiner Route Werks Handelbarbag, also der Lenkertasche, bin ich sehr zufrieden. Einfach, weil sie perfekt genau das macht, was sie soll.

Je länger wir unterwegs sind, desto öfter kommt heute tatsächlich die Sonne raus. Es ist nicht so, als wäre es deshalb kuschlige 25°C, aber natürlich sind deutlich zweistellige Temperaturen zum Rad fahren viel angenehmer, als hohe Einstellige. Und wenn man einen Sonnenbrille auf hat, weil die Sonne scheint, ist das irgendwie auch gleich viel besser. Mit tollen Ausblicken fahren wir an der Ronneburg vorbei, die oben über dem Tal thront und dann sind wir auch schon in Büdingen. Die Montage des Rücklichthalters klappt prima und es ist klar, dass der Drucker diesbezüglich einfach extrem geschickt ist.

Nachdem wir noch unsere Flaschen aufgefüllt bekommen haben und ganz zufällig auch noch Leia, die Eisenfrau, getroffen haben, geht es zurück nach Hause. Natürlich mit montiertem Rücklicht. Da ist Garmin in der Technik ja wirklich weit vorne und ich sehr zufrieden. Auf meinem Navigationsgerät bekomme ich den hinteren Verkehr nun nicht nur angezeigt, ich höre auch einen Piepton, der mich darauf aufmerksam macht, auch wenn ich gerade mal auf die Straße und nicht auf das Display schaue, Wirklich prima. Die Autos scheinen das Rücklicht auch entsprechend wahr zu nehmen, wir werden nämlich mit ordentlich Sicherheitsabstand überholt, wenn wir überholt werden.

Im Grunde könnte man unsere Gravelrunde ganz einfach beschreiben. Bis Büdingen geht es immer nur Berg hoch, ab Büdingen geht es immer nur Berg runter. Wir sind also auf dem Rückweg vom Drucker deutlich flotter unterwegs, als auf dem Hinweg. Das ist auch ganz gut so, weil wir mittlerweile Nachmittag haben. Dank Zeitumstellung haben wir zwar bis fast 20h Zeit um Heim zu kommen, aber voll ausnutzen muß ich das Sonnenlicht jetzt auch nicht. Wir machen trotzdem noch mal halt. Über Neuberg hat der dort ansässige Verein der Vogelfreunde ein Nistkasten Kleinod errichtet und es wimmelt nur so von Vögeln. Wahrscheinlich, weil sie den Blick rüber nach Frankfurt genießen, so wie wir.

Die Skyline im Blick und doch abgeschieden und fast ländliche sind wir hier unterwegs. Die Route hat und kreuz und quer durch den Wald und über die Felder geführt. Einfach toll, war es. Zurück zu Hause sind wir ganz schön geschafft. Fast 90km haben wir in den Beinen, wir sind komplett verdreckt und die Fahrt zur Lampenhalterung aus Büdingen, die hat sich auf alle Fälle gelohnt. So muß das sein!

Fahrrad auf der Wiese